Um-Erziehung

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elohym78 Avatar

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Die Jugend ist antriebslos.
Die Jugend ist frustriert.
Die Jugend ist deprimiert.
Die Jugend leidet.

Endlich gibt es das Mental-Health-Programm HappyHead, in dem die Jugendlichen wieder auf Spur gebracht werden. Für verzweifelte Eltern und gescheiterte Kinder. Ein Ausweg! Die Teilnahme ist verpflichtend.

Während die Eltern hoffen, beten und bangen, ihren Kindern etwas Gutes zu tun, beginnt für die Jugendlichen ein schierer Horror-Trip! Scheitern wird bestraft. Gewinnen hingegen belohnt. Auch wenn diese Belohnung einen merkwürdigen Beigeschmack aufweist.

Das Cover ist in schwarz gehalten. Es zeigt einen metallisch blauen grinsenden Smiley, der nach hinten raus in einen Totenkopf verläuft. Ich finde das Coverbild wunderbar zu Titel und Inhalt gewählt, da es die vordergründige Freude und das versteckte Grauen widerspiegelt.

Josh Silver hat einen interessanten, spannenden und sehr flüssig zu lesenden Roman geschaffen! Ich habe jede Seite förmlich verschlungen und das Buch in einem Rutsch gelesen. Nicht nur der Schreibstil hat mich begeistert, sondern auch die Idee, die in dem Buch steckt.
Auf der einen werden aktuelle Probleme in den Vordergrund gestellt: Die Vereinsamung der Jugendlichen durch Social Media, dass die virtuelle Welt einen immer größeren Stellenwert einnimmt und die reale Kommunikation zwischen Gleichaltrigen schwerer und schwieriger wird.
Und auf der anderen Seite die Hilfestellungen. Doch der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert; selten hat ein Sprichwort so gut gepasst! Während Dr. Stone, die Leiterin des Mental-Health-Programm einzig Hilfe im Blick hatte, übernehmen ihre Mittarbeiter Schritt für Schritt das HappyHead Programm. Aus Hilfe wird Qual, Leid und pure Dominanz.

Erschreckend realistisch schildert Josh Silver nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Umgebung. Ich konnte mich ohne Probleme nach Schottland und in die Anlage des Programms hineinversetzen. Voller Spannung und Interesse verfolgte ich die Ankunft von Seb und den anderen Teilnehmern. Ich finde es immer wieder packend zu beobachten, wie vermeidlich schwache Charaktere zu Helden mutieren. Auch wenn ihnen dies nicht bewusst ist und sie eher intuitiv zu handeln scheinen. Gerade die Stillen und Zurückhaltenden bergen einen schier unbeugsamen Willen, den es heraus zu kitzeln lohnt.
Und die vermeintlich starken gehen sang und klanglos unter. Oder auch schon mal mit viel Getöse.

Ich habe jeden Charakter des Autors schätzen gelernt! Jeder, selbst kleine Randfiguren wurden authentisch geschildert und ich konnte eine Verbindung zu ihnen aufbauen. Ob es an dem spannenden Erzählstil lag oder daran, dass ich das Buch an einem Tag gelesen habe, ich vertauschte gedanklich keinen der Protagonisten.

Mein Fazit

Ein starker und packender Roman! Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung!