Verfängt nicht

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
chrischid Avatar

Von

Ein Mental-Health-Programm, das die Probleme unglücklicher Jugendlicher lösen soll?
Ein abgeschiedenes Camp, ein Experiment und eine Einladung, die Seb nicht ablehnen kann, wenn er seine Eltern endlich stolz machen möchte. Es kann doch nicht so schwer sein, die gestellten Aufgaben zur Zufriedenheit aller zu meistern, um endlich ein gänzlich erfülltes Leben zu führen. Hin und wieder wäre es allerdings gar nicht verkehrt Methoden und Ansichten zu hinterfragen.

Für den Leser ist sehr schnell offensichtlich, dass im Camp irgendetwas vor sich geht, das bisher zwar nicht greifbar, aber ziemlich bedrohlich ist. Dabei bewundert man die Naivität der Jugendlichen, die scheinbar allesamt keinerlei Bedenken haben. Andererseits wurden sie vermutlich aus ganz bestimmten Gründen für dieses Experiment ausgewählt.

Der Autor verfolgt interessante Ansätze, die den Leser sicherlich auf die ein oder andere Weise zum Nachdenken anregen. Nichtsdestotrotz gestaltet sich das erste Drittel recht zäh, es scheint als würde die Handlung nicht so richtig in Schwung kommen. Natürlich werden bereits Akzente gesetzt, die darauf hindeuten, dass mehr als nur ein Geheimnis hinter der Fassade lauert, sie ziehen das Tempo aber leider zunächst nicht merklich an.

Inwiefern man sich mit der ein oder anderen Figur identifiziert liegt in erster Linie im eigenen Charakter begründet, nachvollziehbar sind viele der dargestellten Reaktionen seitens der Jugendlichen jedoch allemal. Schließlich wird jeder das ein oder andere Erlebnis seiner Teenagerzeit noch immer sehr präsent haben. Dementsprechend sind auch die teils überschäumenden Emotionen völlig plausibel.

So richtig verfangen hat das Buch nicht, obwohl nicht nur der Cliffhanger am Ende für einige offene Fragen sorgt, die man schon gerne beantwortet bekommen würde. Ob der zweite noch folgende Band wirklich für einen runden Abschluss sorgen kann bleibt daher fraglich. Thematisch trifft Josh Silver sicherlich einen Nerv, in einer Zeit, die von Unsicherheiten im Kleinen wie im Großen geprägt ist und zahlreiche Ängste schürt.