Rasanter Coming-of-Age Roman in den 1980ern
Ich-Erzähler Sam ist ein 15-jähriger Außenseiter sowie ein ruhiger, zurückhaltender Typ. Die familiäre Situation wird durch die Arbeitslosigkeit des Vaters belastet, noch mehr drückt aber die zurückgekehrte Krebserkrankung der Mutter aufs Gemüt, Sams ältere Schwester Jean wohnt in New York. Zudem hat er seinen besten Freund Stevie gerade verloren. Bereits der erste Satz zeigt die ambivalente Dramatik des Romans: „In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb.“ Die Familie lebt in der amerikanischen Kleinstadt Grady in Missouri, wo eine große Textilfabrik ihre Tore geschlossen hat, was hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit zur Folge hat. Dieses Setting wird sehr atmosphärisch beschrieben.
Um die Sommerferien nicht bei der ungeliebten Verwandtschaft verbringen zu müssen, sucht sich Sam einen Ferienjob im ortsansässigen einzigen Kino. Dort lernt er Kirstie, die Tochter des Kinobesitzers, kennen. Ebenso gehören der farbige Footballspieler Brandon (genannt Hightower) und der schwule Industriellensohn Cameron zur Belegschaft – alle sind 2 Jahre älter als Sam, haben die Schule gerade abgeschlossen und planen nach den Ferien einen Neuanfang.
Schnell wird Sam in die Gruppe integriert, zunächst aus Mitleid, später aus echter Sympathie. Was folgt, ist ein Sommer der ersten Male: zum ersten Mal lernt Sam echte Freundschaft kennen, zum ersten Mal wird geraucht, getrunken, geküsst und gehascht, zum ersten Mal verliebt er sich.
Der Autor trifft den Ton der Jugendlichen genau, die Perspektive ist stimmig. Die Erzählungen wirken authentisch in der Mitte der 1980er Jahre angesiedelt, in denen man Musik noch auf Kassetten überspielte oder in der Zelle telefonierte. Leser, die in jenen Jahren ebenfalls aufgewachsen sind, werden die Songs und Filme dieser Zeit wiedererkennen und feiern (der passende Soundtrack ist im Internet abrufbar). Es ist das Lebensgefühl der jungen Generation, das in die Weite Amerikas übertragen und glaubwürdig kolportiert wird. Deshalb könnte der Roman auch heutigen Jugendlichen zusagen.
Die Charaktere sind vielschichtig. Jeder aus der Clique hat familiären Ballast zu tragen oder andere Probleme, die man beim Feiern oder mit Alkohol zu verdrängen versucht. Zum ersten Mal fühlt sich Sam außerhalb seiner Familie geborgen. Er verbringt viel Zeit mit den Freunden und es gelingt ihm, die Krankheit seiner Mutter eine Weile in den Hintergrund treten zu lassen.
Der Titel des Buches bezieht sich auf den (fiktiven) Gedichtband „Hard Land“, den der berühmteste Sohn der Stadt geschrieben hat und über den jede 11. Klasse einen Hausaufsatz schreiben muss. Das Werk behandelt „ die Geschichte eines Jungen, der den See überquerte und als Mann wiederkam“. Seine Parallelen zu den fünf Abschnitten des Romans (angepasst ans Klassische Drama) sind unübersehbar und originell. Sam darf man als den klassischen Helden betrachten, der sich in vielerlei Beziehungen selbst überwinden muss, um erwachsen zu werden. Diese Zusammenhänge werden (überflüssigerweise) auch im letzten Abschnitt erörtert.
Es gibt wunderschöne Szenen und Dialoge, die verhindern, dass der Text ins Oberflächliche abdriftet. Dafür sorgt natürlich auch die Dramatik rund um Sams Mutter. Wie nebenbei fallen wunderbar treffend formulierte Metaphern oder Sätze, die den Leser innehalten lassen und Gefühle auf den Punkt bringen:
„Mein Vater war mir oft wie eine heruntergelassene Jalousie vorgekommen. Doch an jenem Mittag konnte ich zumindest durch die Ritzen spähen. (S. 47)
„Sie konnte mir so ähnlich sein und sie war das Gegenteil von mir, und wenn meine Stimmung eine leere Fabrikhalle war, dann war sie ein Haufen Kerzen.“ (S. 100)
„Es gibt so viele Dinge, vor denen ich Angst habe. Sterben-müssen ist die größte Angst überhaupt, doch wenigstens muss man da nur einmal durch.“ (S.146)
„Und meine Betrunkenheit war wie eine schwere Decke, die jemand über all meine Bedenken und Ängste geworfen hatte.“ (S.194)
„Meine Erinnerung an diese Tage gleicht einem verbrannten Blatt Papier, von dem nur einige verkohlte Fetzen übriggeblieben sind.“ (S.207)
Vieles hat mir an dem Roman gefallen. Er ist kurzweilig geschrieben, es gibt eine rasante, spannende Handlungsdichte, die Dialoge sind glaubwürdig. Man kann stellenweise lachen und traurig sein, man erlebt Zauber und Schmerz der ersten Verliebtheit. Sam und seine Freunde sind Sympathieträger, man gönnt den Heranwachsenden die Erlebnisse dieses Sommers, über dem trotz allem ein ernster Schatten schwebt.
Mit zunehmender Lektüre wirkten allerdings viele Szenen gefällig und drehbuchmäßig auf mich. Alles steuert auf ein absehbares Ende zu, die Handlungsorte besitzen fast zuviel Flair - ob traumhafter See, fulminante Villa oder einsame Waldhütte… Dazu passt die perfekte Ausleuchtung mit Sonnenauf- oder -untergang... Alles ein bisschen zu plakativ für meinen Geschmack, alles sehr gewollt. Ein filmreifes Ende. Ich sehe den Streifen schon über die Kino-Leinwand flackern…
Der Roman wird mit Sicherheit breite Leserschichten ansprechen. Er ist ein All-Age-Roman, ein guter Unterhaltungs- und Entwicklungsroman, an den man allerdings keine hohen literarischen Ansprüche stellen sollte.
Um die Sommerferien nicht bei der ungeliebten Verwandtschaft verbringen zu müssen, sucht sich Sam einen Ferienjob im ortsansässigen einzigen Kino. Dort lernt er Kirstie, die Tochter des Kinobesitzers, kennen. Ebenso gehören der farbige Footballspieler Brandon (genannt Hightower) und der schwule Industriellensohn Cameron zur Belegschaft – alle sind 2 Jahre älter als Sam, haben die Schule gerade abgeschlossen und planen nach den Ferien einen Neuanfang.
Schnell wird Sam in die Gruppe integriert, zunächst aus Mitleid, später aus echter Sympathie. Was folgt, ist ein Sommer der ersten Male: zum ersten Mal lernt Sam echte Freundschaft kennen, zum ersten Mal wird geraucht, getrunken, geküsst und gehascht, zum ersten Mal verliebt er sich.
Der Autor trifft den Ton der Jugendlichen genau, die Perspektive ist stimmig. Die Erzählungen wirken authentisch in der Mitte der 1980er Jahre angesiedelt, in denen man Musik noch auf Kassetten überspielte oder in der Zelle telefonierte. Leser, die in jenen Jahren ebenfalls aufgewachsen sind, werden die Songs und Filme dieser Zeit wiedererkennen und feiern (der passende Soundtrack ist im Internet abrufbar). Es ist das Lebensgefühl der jungen Generation, das in die Weite Amerikas übertragen und glaubwürdig kolportiert wird. Deshalb könnte der Roman auch heutigen Jugendlichen zusagen.
Die Charaktere sind vielschichtig. Jeder aus der Clique hat familiären Ballast zu tragen oder andere Probleme, die man beim Feiern oder mit Alkohol zu verdrängen versucht. Zum ersten Mal fühlt sich Sam außerhalb seiner Familie geborgen. Er verbringt viel Zeit mit den Freunden und es gelingt ihm, die Krankheit seiner Mutter eine Weile in den Hintergrund treten zu lassen.
Der Titel des Buches bezieht sich auf den (fiktiven) Gedichtband „Hard Land“, den der berühmteste Sohn der Stadt geschrieben hat und über den jede 11. Klasse einen Hausaufsatz schreiben muss. Das Werk behandelt „ die Geschichte eines Jungen, der den See überquerte und als Mann wiederkam“. Seine Parallelen zu den fünf Abschnitten des Romans (angepasst ans Klassische Drama) sind unübersehbar und originell. Sam darf man als den klassischen Helden betrachten, der sich in vielerlei Beziehungen selbst überwinden muss, um erwachsen zu werden. Diese Zusammenhänge werden (überflüssigerweise) auch im letzten Abschnitt erörtert.
Es gibt wunderschöne Szenen und Dialoge, die verhindern, dass der Text ins Oberflächliche abdriftet. Dafür sorgt natürlich auch die Dramatik rund um Sams Mutter. Wie nebenbei fallen wunderbar treffend formulierte Metaphern oder Sätze, die den Leser innehalten lassen und Gefühle auf den Punkt bringen:
„Mein Vater war mir oft wie eine heruntergelassene Jalousie vorgekommen. Doch an jenem Mittag konnte ich zumindest durch die Ritzen spähen. (S. 47)
„Sie konnte mir so ähnlich sein und sie war das Gegenteil von mir, und wenn meine Stimmung eine leere Fabrikhalle war, dann war sie ein Haufen Kerzen.“ (S. 100)
„Es gibt so viele Dinge, vor denen ich Angst habe. Sterben-müssen ist die größte Angst überhaupt, doch wenigstens muss man da nur einmal durch.“ (S.146)
„Und meine Betrunkenheit war wie eine schwere Decke, die jemand über all meine Bedenken und Ängste geworfen hatte.“ (S.194)
„Meine Erinnerung an diese Tage gleicht einem verbrannten Blatt Papier, von dem nur einige verkohlte Fetzen übriggeblieben sind.“ (S.207)
Vieles hat mir an dem Roman gefallen. Er ist kurzweilig geschrieben, es gibt eine rasante, spannende Handlungsdichte, die Dialoge sind glaubwürdig. Man kann stellenweise lachen und traurig sein, man erlebt Zauber und Schmerz der ersten Verliebtheit. Sam und seine Freunde sind Sympathieträger, man gönnt den Heranwachsenden die Erlebnisse dieses Sommers, über dem trotz allem ein ernster Schatten schwebt.
Mit zunehmender Lektüre wirkten allerdings viele Szenen gefällig und drehbuchmäßig auf mich. Alles steuert auf ein absehbares Ende zu, die Handlungsorte besitzen fast zuviel Flair - ob traumhafter See, fulminante Villa oder einsame Waldhütte… Dazu passt die perfekte Ausleuchtung mit Sonnenauf- oder -untergang... Alles ein bisschen zu plakativ für meinen Geschmack, alles sehr gewollt. Ein filmreifes Ende. Ich sehe den Streifen schon über die Kino-Leinwand flackern…
Der Roman wird mit Sicherheit breite Leserschichten ansprechen. Er ist ein All-Age-Roman, ein guter Unterhaltungs- und Entwicklungsroman, an den man allerdings keine hohen literarischen Ansprüche stellen sollte.