Der Direktor

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
clematis Avatar

Von

Der Direktor der Riverburg High hat ein ganz spezielles „Hobby“: jedes Jahr zu Schulbeginn sucht er sich eine Schülerin der Abschlussklasse aus, um mit ihr Sex zu haben. Dieses Jahr wählt er Hazel Greenberg Blum, die er schon vom hiesigen Schwimmbad kennt, aber, anders als bisher, erntet Richard White eine Abfuhr. Was Hazel mit ihrem „Nein“ in Bewegung setzt, wird ihr erst viel später klar.

Mit ihrem eingängigen Schreibstil zieht mich Jesica Berger Gross sehr schnell in den Bann ihrer Zeilen und weckt meine Neugierde auf das Geschehen im beschaulichen Riverburg, wohin Hazel mit ihren Eltern und dem jüngeren Bruder Wolf gerade übersiedelt ist. Weg vom nie zur Ruhe kommenden Brooklyn möchte sich die Familie hier eine neue Existenz aufbauen, ein eigenes Häuschen kaufen und die Kinder in ganz gewöhnliche staatliche Schulen schicken. Aber schon am ersten Schultag gerät Sand ins Getriebe mit dem ungebührlichen Verhalten des Highschooldirektors und der – sollte man meinen – ganz selbstverständlichen Antwort der neuen Schülerin. Mit viel Respekt vor den dargelegten schwierigen Themen und dem nötigen Maß an Humor geht die Autorin an die Geschichte heran und erzählt recht eindrucksvoll, welche Auswirkungen ein einziges Wort nach sich ziehen kann. Ihr Nein verändert nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Familie und – was mir besonders gut gefällt – wird der Blick auch auf die Familie des Direktors gerichtet, um zu sehen, was dort alles in Bewegung gerät. So werden unterschiedliche Szenen beleuchtet, auf überaus realistische Weise kann man sich in die Lage verschiedenster Figuren hineinversetzen. Die Entwicklung einzelner Personen ist überzeugend ausgearbeitet und auch eine Änderung einer einmal gefassten Meinung kein Weltuntergang.

Ein Roman für mehr Mut, zu seinen Überzeugungen zu stehen und dadurch die Welt – oder zumindest ein kleines Eck davon – ein wenig menschlicher zu gestalten. „Retten Sie die Welt! Wenigstens die Ecke, in der Sie leben!“ [kindle, Pos. 2679]