Ein mutiges Nein und seine weitreichenden Folgen

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fandsy Avatar

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„Hazel sagt Nein“ beginnt scheinbar ruhig: Eine Familie zieht von New York in eine kleine Stadt in Maine, in der alles überschaubar, freundlich und sicher wirkt. Doch diese Idylle zerbricht bereits an Hazels erstem Schultag. Der Schuldirektor missbraucht seine Macht und stellt Hazel vor eine unfassbare Forderung. Hazel sagt Nein – und genau dieser Moment steht im Zentrum des gesamten Romans.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass es nicht bei Hazels Perspektive stehen bleibt. Jessica Berger Gross erzählt die Geschichte aus wechselnden Blickwinkeln: Neben Hazel kommen auch ihre Eltern Claire und Gus sowie ihr kleiner Bruder Wolf zu Wort. Dadurch wird deutlich, wie ein einzelnes „Nein“ das Leben einer ganzen Familie erschüttert. Zweifel, Schuldgefühle, Wut und Hilflosigkeit breiten sich aus, während die Umwelt reagiert, urteilt, wegschaut oder Partei ergreift. Schnell wird klar: Nicht nur das Opfer leidet, sondern alle, die ihm nahestehen – und auch die vermeintlich heile Gemeinschaft zeigt ihre dunklen Seiten.

Der Schreibstil ist dabei angenehm zugänglich, fast nüchtern, was die Schwere des Themas umso eindringlicher wirken lässt. Kurze, präzise Sätze wechseln sich mit ausführlicheren Passagen ab und geben den emotionalen Momenten Raum, ohne pathetisch zu werden. Die Figuren sind fehlerhaft, widersprüchlich und dadurch sehr glaubwürdig. Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung der gesellschaftlichen Dynamiken: Wem wird geglaubt? Wie schnell drehen sich Narrative? Und wie mächtig sind Ansehen, Status und Gerüchte?

„Hazel sagt Nein“ ist kein leichtes Buch, aber ein wichtiges. Es zeigt schonungslos, welche Konsequenzen Machtmissbrauch haben kann, und gleichzeitig, wie viel Mut es erfordert, sich dagegen zu stellen. Trotz aller Härte bleibt am Ende auch Platz für Entwicklung, Selbstreflexion und leise Hoffnung. Ein aufrüttelnder, kluger Roman, der lange nachwirkt und dem Thema sexualisierte Gewalt eine vielschichtige, menschliche Stimme verleiht.