Fremdbestimmung
Die Leseprobe hatte mich wegen des hochaktuellen Themas der sexuellen Selbstbestimmung , welches hier aus einer anderen Perspektive aufgegriffen wird, nämlich aus Sicht, der sich laut verweigernden Schülerin Hazel, die völlig unerwartet auf einer ländlichen Highschool von ihrem Direktor massiv bedrängt wird, überzeugt und entsprechend Erwartungen geweckt, welche Folgen sich aus dem „Nein „ ergeben. Erwartungsgemäß löst die sexuelle Belästigung - nachdem sie öffentlich wird- unterschiedliche Reaktionen in der ländlichen Kommune aus und Hazel fühlt sich schnell in eine isolierte Position gedrängt. Sie sieht sich verschiedene und teils sehr hohen Anforderung und Erwartungen ausgesetzt, und muss unter schwierigen Abwägungen ihren eigenen Weg finden um sich aus der erneuten Fremdbestimmung zu lösen.
Diesen Prozess hat die Autorin subtil geschildert, so dass Hazels Figur mich in ihrer Zerrissenheit überzeugt hat. Daneben hat Jessica Berger Gross mit leicht ironischem und kritischem Witz auch gesellschaftliche Prozesse, das amerikanische Schulsystem und besonders auch den Literaturbetrieb hinterfragt. Auch die Bemühungen ihrer Eltern sich vor dem Hintergrund materieller Zwänge beruflich selbst zu verwirklichen, sind aus meiner Sicht gut dargestellt worden. Nicht überzeugt hat mich die Beschreibung des kleinen hyperintelligten Bruders Wolf, die aus meiner Sicht überzogen war. Letztlich eine gut zu lesende, zum Nachdenken anregende Geschichte mit Tiefgang und Humor, die vielleicht etwas zu lang geraten ist und bei der auch die etwas reduzierte Nennung amerikanischer Eigennamen nicht geschadet hätte.