Große Themen im Fokus
Das Cover von „Hazel sagt nein“ hat mich anfangs an eine locker-flockige Romanze oder auch einen schönen Sommerroman denken lassen, dabei geht das Buch so viel tiefer! Der Einstieg ist schnell und schonungslos, denn genau wie Hazel wird auch der Leser ohne viel Vorbereitung mit dem Schulleiter und seinen Taten konfrontiert. Von da aus entspinnt sich ein Roman, der sich einerseits wie eine junge Perspektive auf MeToo liest, andererseits auch ein Gesellschafts- und Familienroman ist. Große Themen wie Zugehörigkeit, Familie, Heimat, Sicherheit, Freundschaft, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung werden hier miteinander verwoben - an manchen Stellen hätte ich mir eine stärkere Fokussierung gewünscht. Die Entwicklung von Hazel fand ich dabei durchweg schlüssig und sehr gut gezeichnet – von Ohnmacht, über den Willen, etwas zu bewegen bis hin zur völligen Überforderung und wieder zurück … Ab und zu fand ich ihre Gedankengänge etwas wiederholend, aber das ist nur eine kleine Kritik. Obwohl auch der Rest ihrer Familie „zu Wort“ kommt, hat mir Hazels Beschreibung und Entwicklung am besten gefallen. Durch die verschiedenen Perspektiven zeigt der Roman sehr gut die persönliche Seite von sexuellem Missbrauch, Machtmissbrauch, Cancel Culture, Entwurzelung und vielem mehr. Wer einen kleinen, aber feinen Blick auf die (amerikanische) Gesellschaft werfen will, ist hier genau richtig.