Großes Potential verschenkt

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timothy1971 Avatar

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Ohne längeren Einstieg nimmt die Handlung von „Hazel sagt nein“ zunächst sehr schnell Fahrt auf. Gerade aufgrund der recht einfachen Sprache mit kurzen Sätzen wirkte der Anfang mit dem übergriffigen Direktor umso kälter und verletzender auf mich und damit sehr realistisch. Auch die unmittelbaren Folgen für Hazel, aber auch ihre Familie werden sehr eindringlich geschildert und haben mich schnell in ihren Bann gezogen.
Im weiteren Verlauf schweift die Handlung jedoch zu sehr ab und verliert das eigentliche (sehr wichtige und aktuelle) Thema stellenweise komplett aus dem Fokus. Alltägliche Probleme wie das wenig erfüllende Hausfrauendasein der Mutter, Karriereüberlegungen des Vaters oder Hazels erster Schwarm für einen jungen Studenten nehmen zu viel Platz ein. Dadurch wird das Buch stellenweise regelrecht seicht und lässt jeglichen Tiefgang vermissen, der dem Thema sexuelle Belästigung in einer solch drastischen Form gerecht werden würde. Damit wird ein riesiges Potential letztlich verschenkt und aus dem starken ersten Teil wird am Ende eine Art Familienroman, der zwar leicht zu lesen und unterhaltsam ist, aber leider nicht mehr das bietet, was man ursprünglich erwartet hat.