Gut gemacht und wichtiges Thema

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bayernbba Avatar

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„Hazel sagt Nein“ startet wie ein klassischer „Neuanfang“-Plot: Eine Familie verlässt das laute Brooklyn und zieht ins scheinbar harmlose Riverburg, weil der Vater endlich den gewünschten Job erhalten hat.
Und dann kippt alles: Schon am ersten Schultag wird Hazel ins Büro des Direktors zitiert – und was er ihr dort mit erschreckender Selbstverständlichkeit eröffnet, ist nicht nur grenzüberschreitend, sondern Ausdruck eines Systems. Hazel sagt Nein. Und dieses Nein ist nicht selbstverständlich sondern ist der Anfang alles folgender Ereignisse.

Darum geht es in dem Buch, um diese Folgen und nicht allein um „Täter vs. Opfer“. Es handelt davon, was so ein Fall mit einer Familie macht – und mit einer Stadt, die sich gern für anständig hält. Es betrachtet die private aber auch die gesellschaftliche Folge.

Der Erzählten ist ruhig und nicht auf maximale Dramatisierung setzend – was ich ich stark fand, weil es das Beklemmende oft noch deutlicher macht.

Hazel ist keine glatt polierte Symbolfigur. Sie wirkt wie eine echte Achtzehnjährige: klug, trotzig, verletzt,.... All das macht sie gerade erst glaubwürdig. Das Leben nach Hazel Nein ist voller Grauzonen: Wer glaubt wem? Wer will Ruhe? Wer will Wahrheit? Wer hat Angst vor dem, was öffentlich wird?

Stellenweise will das Buch viel gleichzeitig – Familiendynamik, Schulpolitik, Kleinstadtsoziologie, Moralpanik, Machtmissbrauch, öffentliche Meinung. Das ist oft klug, manchmal aber auch ein bisschen „vollgepackt“.
Mich hat das nicht grundsätzlich gestört, weil der Roman trotzdem gut funktioniert .