Mit den Folgen eines "Neins" umgehen können...

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buecherseipi Avatar

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Hazels Familie zieht aus verschiedenen Gründen von Brooklyn ins beschauliche Riverburg. Vater Gus hat eine Professur, Hazels Mutter ist eigentlich Designerin, leidet jedoch unter einer kreativen Blockade und ihr kleiner, schlauer Bruder Wolf kämpft um die Aufnahme in die Schultheatergruppe. Zusätzlich zu den ganzen Veränderungen hat Hazels Direktor beschlossen, dass sie in diesem Schuljahr seine Auserwählte sein soll. Die eine Schülerin, die ihm in se*ueller Hinsicht zu Diensten sein soll – selbstverständlich völlig „freiwillig“… Doch Hazel sagt „NEIN“ und durchkreuzt damit die Pläne ihres Lehrkörpers. Ihr Nein hat jedoch für sie und ihre Familie ungeahnte Folgen…
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Das Buch von Jessica Berger Gross befasst sich mit schwierigen Entscheidungen und deren Tragweite. Mit den Konsequenzen, wenn man konsequent bleibt sozusagen. Denn Hazel hat „Nein“ zu ihrem Direktor gesagt! Sie war stark und doch holen die Folgen ihres Entschlusses sie und ihre Familie recht schnell ein.
Dabei gelingt es der Autorin in meinen Augen sehr gut, Hazels innere Kämpfe und Zerrissenheit zu beschreiben. Obwohl die Geschichte aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers geschildert wird, erfahre ich als Leserin ziemlich genau, was in Hazel vorgeht. Ich erlebe den inneren Kampf, den sie mich sich führt – und zwar nicht nur während ihres „Neins“, sondern bei jeder einzelnen, nachfolgenden Entscheidung, die in einer Verbindung zu dem Erlebten steht. Dabei wird gut herausgearbeitet, dass sie bei Weitem nicht alle Folgen ihrer Entscheidung absehen kann, vor allem nicht die, die für ihre Familie entstehen. Für mich war das durchweg glaubhaft und authentisch erzählt, was das Buch für mich „echt“ gemacht hat.

Was ich hingegen nicht ganz nachvollziehen konnte, war der Shitstorm, den Hazels Vater Gus auslöst. Der war für mich irgendwie nur so halbgar erzählt. Er sollte wollte die Brücke schlagen zum Thema „Cancel Culture“ und öffentliche Wahrnehmung von Meinungsäußerungen. Diese Themen sind selbstverständlich wichtig, aber es hat für mich nicht wirklich gepasst und der Kreis schließt sich für mich nicht richtig.
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Alles in allem hat mich die Geschichte aber überzeugt und ich habe sie gern gelesen. Jessica Berger Gross‘ Schreibstil ist flüssig, die Kapitel sind kurz und die Charaktere glaubwürdig. Meinen Kritikpunkt sehen andere vielleicht nicht so, ist ja subjektiv 😊 Daher kann ich dieses Buch, das ein Plädoyer für Integrität und Rückgrat ist, auf jeden Fall empfehlen!