Toller Schreibstil

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Hazel sagt nein von Jessica Berger Gross hat mich tief berührt. Ich fand das Buch sowohl sprachlich als auch inhaltlich wunderschön – ruhig erzählt, klug beobachtet und gleichzeitig unglaublich kraftvoll. Es ist eines dieser Bücher, die nicht laut sein müssen, um lange nachzuwirken.

Die Geschichte beginnt mit dem Umzug der Familie Blum von Brooklyn in die scheinbar friedliche Kleinstadt Riverburg, wo endlich alles ruhiger und geordneter werden soll. Doch gleich am ersten Schultag wird Hazels Welt erschüttert: Der Schuldirektor konfrontiert sie mit einem perfiden „Ritual“, das er sich seit Jahren erlaubt – und Hazel sagt Nein. Dieser eine Moment verändert alles. Nicht nur für sie selbst, sondern für ihre ganze Familie und die Gemeinschaft, in der plötzlich Dinge sichtbar werden, die lange verdrängt wurden.

Ich konnte mich sehr gut in Hazel hineinversetzen – in ihre Unsicherheit, ihre Wut, ihre Angst und ihren Mut. Besonders berührt hat mich, wie feinfühlig ihre inneren Konflikte geschildert werden, ohne sie zu dramatisieren. Gleichzeitig fand ich es wunderschön, dass der Roman auch die Blickwinkel der anderen Familienmitglieder einnimmt: der Eltern, der Geschwister, der Menschen drumherum. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild davon, wie ein einzelnes „Nein“ Wellen schlägt und Beziehungen auf die Probe stellt.

Die Sprache ist ruhig, präzise und voller Zwischentöne, mit einem feinen Humor an genau den richtigen Stellen. Jessica Berger Gross erzählt von Machtstrukturen, Schweigen, Zusammenhalt und davon, wie schwer – und wie notwendig – es ist, für sich einzustehen.

Für mich ist Hazel sagt nein ein kluger, sensibler und sehr berührender Roman, der lange im Kopf und im Herzen bleibt. Absolute Leseempfehlung und verdiente 5 Sterne.