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conny bee Avatar

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Hazel hat nur noch ein Jahr an der Schule bevor sie aufs College geht und dieses Abschlussjahr soll sie nun anstatt in Brooklyn in Riverburg (Maine) verbringen. Sie möchte nicht auffallen, einfach nur durchkommen, allerdings wird sie gleich am ersten Tag in das Büro des Direktors gerufen. In dieser Situation offenbart er, dass er sich jedes Jahr ein Mädchen aussucht mit dem er eine sexuelle Beziehung eingeht und dieses Jahr soll es Hazel sein. Dazu sagt Hazel NEIN und dieses Nein schlägt nicht nur in ihr große Wellen.

Sehr gut nachvollziehbar werden Hazels Gedanken und Gefühle dargestellt. Wir begleiten SIe in den Überlegungen sich danach zu offenbaren und was diese Offenbarung alles in Gang setzt. Die Perspektive wechselt auch zu ihren Familienmitgliedern, denn auch bei ihnen löst das Geschehene unterschiedliche Gefühle und Handlungen aus. Wirklich gut beschrieben ist das Wechselspiel zwischen kreisenden Gedanken, Hoffnungslosigkeit, Ratlosigkeit, Hilfe-Suche, aber auch Zusammenhalt und Mut. Denn Hazel steht für sich ein und wird dadurch zum Vorbild. Auch wenn es ihr nicht immer leicht fällt.

Aber die Geschichte bleibt nicht nur im System Familie und bei einzelnen Personen, sondern gibt auch einen Blick auf systemische Zusammenhänge. Denn bei einem Vorfall bei dem Aussage gegen Aussage steht, stellen sich auch viele Stadtbewohner auf die Seite des Direktors. Dabei werden Strukturen kritisiert, die einfach schon viel zu lange Bestand haben. Dennoch erhält Hazel auch Unterstützung von außen, die ihr hilft diese Strukturen sichtbar zu machen und teilweise zu durchbrechen auch wenn nie alle überzeugt werden können.

Man versinkt als Leser jedoch nicht in diesem einen wichtigen Thema, denn immer wieder gibt es auch lustige Momente, lockere Passagen und Familienalltag. Die Dynamik zwischen der Familie und Wolf (Hazels Bruder) hat mich immer wieder schmunzeln lassen. Zudem werden weitere Themen angesprochen wie Cancel Culture, Mediennutzung, Freundschaften, Inklusion, Trendsetting und Selbstverwirklichung. So stimmt dieses Buch einen auch nach der Lektüre nachdenklich. Sternabzug gibt es für mich nur, weil Einiges sehr schnell abgehandelt wurde und mehr Seiten benötigt hätte. Dafür hätte man die ein oder andere Ortsbeschreibung durchaus kürzen können.