Bewegend, tiefgründig, außergewöhnlich.

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corniholmes Avatar

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Maya, Martin, Fiona und Finn – vier Jugendliche, die völlig verschieden sind, aber eine Sache gemeinsam haben: Ihnen wurde das Herz gebrochen. Maya hat vor kurzem Laura, die Liebe ihres Lebens verloren. Martin wurde von seinem Schwarm aus dem Internet bloßgestellt. Fiona wurde von ihrem Freund und ihrer besten Freundin hintergangen und Finn gibt sich die Schuld an dem Tod seiner Freundin. Im Heartbreak Hotel – ein geheimnisvoller Ort fernab der Realität – treffen die vier aufeinander und müssen sich gemeinsam und jeder für sich ihrem Schmerz stellen. Ob es ihnen wohl gelingen wird, ehe sie wieder auschecken müssen?

Als großer Fan von Comics und Jugendbüchern mit Tiefgang war meine Neugierde sofort geweckt, als mir „Heartbreak Hotel“ zum ersten Mal in der Verlagsvorschau begegnete. Cover und Klappentext überzeugten mich auf Anhieb, sodass rasch klar war, dass das Buch bei mir Einzug halten muss. Heute habe ich es in einem Zug gelesen und auch wenn ich mir ein bisschen mehr erhofft habe, habe ich die Lektüre nicht bereut.

Micol Arianna Beltraminis und Agnese Innocente haben hier eine sehr vielschichtige Graphic Novel geschaffen, die einen direkt in den Bann zieht und so schnell nicht mehr loslässt. Durch die fesselnde Erzählweise und das Comic-Format kann man eigentlich gar nicht anders, als das Buch in einem Rutsch zu lesen, auch wenn es keine leichte Kost ist. Schwierige Themen wie Verlust, Schuldgefühle, Liebeskummer, Enttäuschung und Verrat haben hier ihren Platz gefunden. Jeder der vier Jugendlichen hat ein gebrochenes Herz und muss sich im Heartbreak Hotel seinem Schmerz stellen. Die vier verschiedenen Schicksale gehen unter die Haut, werden aber niemals zu bedrückend dargestellt. Es schwingt durchweg auch Hoffnung mit und eine genau richtige Portion Humor. Unsere Hauptfiguren sind sehr authentisch und divers gestaltet, haben ihre Ecken und Kanten und könnten unterschiedlicher kaum sein. Doch gemeinsam finden sie ihren Weg aus der Dunkelheit und zeigen uns, dass man seinen Schmerz nicht alleine tragen muss und Zuversicht auch in den schwersten Zeiten zu finden ist. Ich persönlich hätte eine Triggerwarnung nicht schlecht gefunden und stellenweise war mir die Story etwas zu schräg. Die Anspielungen auf Alice im Wunderland sind in dieser Hinsicht äußerst passend, aber irgendwie bin ich nicht komplett damit warm geworden. „Heartbreak Hotel“ wird vermutlich nicht jedermanns Sache sein, aber wenn man sich darauf einlässt, wird einem ein wirklich einzigartiges Leseerlebnis geboten.

Vor allem optisch vermag dieser Comic zu überzeugen. Agnese Innocentes sanfte Zeichnungen mögen auf den ersten Blick vielleicht ein wenig einfach wirken, sie sind aber überaus ausdrucksstark und erzählen die Geschichte oft über mehrere Panels hinweg ganz ohne Worte. Besonders gelungen ist das Spiel mit der Farbpalette. Während die Rückblenden auf die vorangegangenen Ereignisse (also die Erinnerungen der vier Jugendlichen) farbig gehalten sind, besitzen die Szenen in der Gegenwart im Heartbreak Hotel eine monochrome Kolorierung, was einfach perfekt zu diesem traumartigen Ort passt.

Fazit: „Heartbreak Hotel“ ist eine tiefgründige und bewegende Graphic Novel ab 14 Jahren, die fesselt, berührt und lange nachklingt. Ein außergewöhnliches Buch über gebrochene Herzen und den Mut, loszulassen und weiterzumachen. Auch wenn mich dieser Comic nicht vollends überzeugen konnte, habe ich ihn gerne gelesen und kann ihn sehr empfehlen, sowohl Jugendlichen als auch Erwachsenen. Von mir gibt 4 von 5 Sternen.