Ein Ort für gebrochene Herzen. Ruhig, aber mit zu wenig Tiefe erzählt.

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Mit Heartbreak Hotel habe ich eine Geschichte gelesen, die sich ganz bewusst Zeit nimmt. Für den Schmerz, für die Stille und für all das, was man oft nicht in Worte fassen kann. Erzählt von Micol Arianna Beltramini und illustriert von Agnese Innocente, ist diese Graphic Novel für mich weniger eine klassisch erzählte Geschichte als vielmehr eine bebilderte Emotionsreise.

Im Heartbreak Hotel landen vier Jugendliche, deren Leben aus ganz unterschiedlichen Gründen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Sie haben Liebeskummer, einen Verlust erlitten, tragen Schuldgefühle in sich und es geht um Verrat. Dabei ist es so, dass das Buch nichts konkret erklärt oder bewertet. Vielmehr zeigt es uns, wie die Figuren traurig, wütend, leer oder überfordert sind. Durch die Bilder spürt man als Leser wie sich die Figuren fühlen, kann sich in sie hineinversetzen.

Die Stärke dieser Graphic Novel liegt für mich ganz klar im Zusammenspiel von Bild und Text. Oft sagen die Illustrationen mehr als Worte es könnten. Farbspielereien, Blickrichtungen, Abstände zwischen Figuren, ganze Seiten voller Stille... All das transportiert Emotionen sehr feinfühlig. Manche Seiten wirken fast schwer, obwohl kaum Text vorhanden ist. Gerade diese Zurückhaltung hat mich sehr berührt. Doch erzählerisch bleibt vieles offen. Nicht jede Geschichte wird vollständig aufgelöst, was mich etwas unzufrieden zurücklässt. Leider wird auch nicht jede Figur bis ins Detail erklärt. Mich hat das einerseits irritiert, andererseits aber auch dazu angeregt, mir meine eigenen Gedanken zu machen. Trotzdem hätte ich mir bei den Figuren mehr Tiefe oder Zeit gewünscht, da hier spürbar noch Potenzial vorhanden gewesen wäre. Das ist für mich der Kritikpunkt an dieser Graphic Novel.

Ich finde Heartbreak Hotel besonders geeignet für Jugendliche ab etwa 14 Jahren, aber auch für Erwachsene, die sich an eigene Herzschmerz-Momente erinnern. Es ist kein leichtes Buch, aber auch kein erdrückendes. Hoffnung schwingt mit, wenn auch nur vorsichtig, leise und nicht als typisches Happy End.