Taschentücher werden dringend empfohlen!

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hundenaerrin Avatar

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Das „Heartbreak Hotel“ ist eine wunderbare Graphic Novel für Heranwachsende, die sich früher oder später mit dem Thema Herzschmerz auseinandersetzen müssen. Oder vielleicht sogar wollen? Und für Lesende, die Comics vor Romanen bevorzugen. Die Autorin und die Illustratorin haben gemeinsam ein wunderbar detailreiches, ergreifendes und unglaublich intensives Werk geschaffen! Der Zeichenstil trifft genau meinen Geschmack: Die Panels sind mit sehr viel Hingabe fürs Detail gestaltet, wodurch ich oft innegehalten habe, um mir die Besonderheiten genauer anzusehen. Denn es gibt sie nicht ohne Grund! So sind zum Beispiel die Rückschauen der Teenager farblich bunt gehalten, wohingegen die Szenen im Heartbreak Hotel einheitlich-unifarben von zart rosa bei Maya, über hellblau bei Martin, hellviolett bei Fiona bis hin zu grau-blau bei Finn reichen. So behält jede Figur ihre Individualität und den Raum für ihre eigene Geschichte. Denn wir haben hier vier Heranwachsende an dem bzw. einem (sie sind ja schließlich noch jung…) Scheideweg ihres Lebens, der sie in ihrer Existenz an einen Punkt der Selbstfindung gebracht hat. Gemeinsam mit den Figuren durchleben wir den Moment, der sie ins Heartbreak Hotel gebracht hat, vereint fühlen wir ihre Emotionen und gehen mit ihnen kurzzeitig in ein fiktives Was-wäre-wenn. Am Ende bleibt jedoch die Erkenntnis, dass die vier das Heartbreak Hotel nur verlassen können, wenn sie ihre gebrochenen Herzen gemeinschaftlich heilen. Es ist eine Ermunterung und ein Erinnern daran, dass es immer einen Ausweg aus solchen Situationen gibt, dass das Leben trotz allem weiterhin lebenswert ist und weitergeht, und dass es wichtig und richtig ist, um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen! Die Grundidee dazu gefällt mir wirklich gut, denn kaum jemand versteht den Schmerz eines Teenagers besser als ein anderer Heranwachsender. ABER, und hier muss ich leider einen Stern abziehen: Mir fehlen Hinweise – ob nun in einem Vor- oder Nachwort oder innerhalb der Geschichte selbst – zum Thema Hilfesuchen bei professionellen psychologischen Beratungsstellen. Damit würde dieses Buch seiner Vorbildfunktion in vollem Umfang gerecht werden, finde ich. Denn wenn wir nicht schon Jugendliche bzw. Heranwachsende darüber aufklären, dass es völlig angebracht und in Ordnung ist, sich Hilfe in Form von Therapien oder Arztbesuchen zu holen, wie sollen wir dann als Gesellschaft jemals das Stigma abstreifen, das wir noch immer mit einer Therapie verbinden? Hier haben
Autorinnen und der Verlag eine Chance verschenkt, finde ich. Beim Thema Triggerwarnung bin ich etwas zwiegespalten, aber vielleicht wäre ein Hinweis auf Tod, Unfall, Depressionen und Isolation sinnvoll.
Das „Heartbreak Hotel“ ist eine Geschichte über den ersten Herzschmerz, das Erleben und Durchleben von Emotionen, das Erlernen des Umgangs damit, aber auch die Aneignung von Akzeptanz, besonders im Hinblick auf die Veränderungen, die das Erlebte in ihrem Leben bedeuten. Jung waren wir alle einmal, daher denke ich, dass alle Lesenden sich ein Stück weit – und wenn es auch nur ganz am Rande ist – in irgendeiner Form in einem der vier Protagonisten wiederfinden können.