Starker Romantasy-Auftakt mit düsterer Magie, Intrigen und verbotener Liebe

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louisaliest Avatar

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In Heartless Hunter begegnet uns eine düstere Welt, in der Hexen nach der Revolution gnadenlos verfolgt werden. Rune Winters, die tagsüber als Adlige lebt, nachts aber als „roter Nachtfalter“ agiert, gerät sie ins Visier des Hexenjägers Gideon Sharpe, weil bei einer Mission etwas schiefgeht. Zwischen den beiden entwickelt sich ein gefährliches Spiel aus Täuschung, Loyalität und wachsendem Vertrauen, das mehr mit ihnen selbst zu tun hat, als sie zunächst ahnen. Heartless Hunter ist der Auftakt einer neuen Romantasy-Dilogie, der eine Enemies-to-Lovers-Dynamik mit politischer Spannung, Magie und moralischen Fragen verbindet.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Welt, die Kristen Ciccarelli erschaffen hat: atmosphärisch, von „religiösem“ Fanatismus, Angst und Macht geprägt, und doch gibt es immer wieder Momente leiser Hoffnung. Die Thematik der Hexenverfolgung und Runes gefährlichem Doppelleben hat mir richtig gut gefallen, vor allem weil die Autorin es schafft, die gesellschaftlichen und emotionalen Konflikte glaubwürdig miteinander zu verweben. Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt. Ciccarellis Stil ist klar, flüssig und anschaulich, ohne überladen zu wirken. Sie hat ein gutes Gespür für Stimmungen und für Spannungen zwischen den Figuren, die einander nicht trauen dürfen und trotzdem voneinander angezogen werden.

Trotz dieser Stärken kam die Handlung für mich etwas zu langsam in Fahrt. Der Einstieg ist atmosphärisch und spannend, aber nach ca. 10% hat mich die Handlung zunächst nicht komplett mitreißen können. Erst nach der Hälfte des Buches hatte sie mich wieder vollends gepackt. Danach steigert sich die Spannung spürbar an und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Mit den Figuren bin ich grundsätzlich gut zurechtgekommen, auch wenn mich die Protagonistin Rune nicht restlos überzeugt hat. Sie ist interessant und komplex, doch mir fehlte etwas die emotionale Nähe, um wirklich mit ihr mitzufühlen. Sie muss keine klassische Sympathieträgerin sein, aber an manchen Stellen blieb sie mir zu unnahbar. Gideon hingegen fand ich greifbarer – sein innerer Konflikt, zwischen Pflicht und Zweifel zu stehen, ist glaubwürdig und bringt eine gewisse Tiefe in die Beziehung der beiden. Der große Plottwist am Ende war für mich zwar vorhersehbar, das hat mich aber nicht wirklich gestört, da die Entwicklung bis dahin stimmig und logisch aufgebaut war.

Insgesamt ist Heartless Hunter ein sehr gelungenes Buch, das zwar etwas Zeit braucht, um seine volle Wirkung zu entfalten, dann aber mit Atmosphäre, Spannung und emotionaler Komplexität belohnt. Die Mischung aus düsterem Magiesystem, Gesellschaftskritik und verbotener Romantik funktioniert gut, und auch wenn ich mir anfangs mehr Tempo und Nähe zur Hauptfigur gewünscht hätte, hat mich das Buch letztlich überzeugt.

Ich würde Heartless Hunter mit 4 von 5 Sternen bewerten. Ein starkes, fesselndes Fantasy-Buch mit großem Potenzial, das nicht sofort zündet, aber im Verlauf immer stärker wird. Ich freue mich schon sehr auf Band 2!