Ein Blick hinter die Kulissen des Inselparadieses

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mariehal Avatar

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Der Klappentext verspricht einen klassischen Detektivroman vor exotischer Kulisse: ein heruntergekommener Privatdetektiv, ein verschwundener Sohn, eine Insel, die mehr verbirgt, als sie preisgibt. Tatsächlich schlägt das Buch jedoch eine etwas andere Richtung ein, und genau darin liegen zugleich seine Stärke und seine Schwäche.

Caruso als Hauptfigur konnte mich nur bedingt überzeugen. Sein dauerhafter Alkoholkonsum, die lethargische Grundhaltung und seine oft wenig reflektierte Art machen ihn eher unsympathisch als faszinierend. Zwar passt diese Figur grundsätzlich in das Bild des gescheiterten Ex-Profisurfers, doch fehlte mir eine Entwicklung oder zumindest eine tiefere Auseinandersetzung mit seinen inneren Konflikten. Statt eines Detektivs, der aktiv ermittelt, wirkt Caruso häufig wie ein Beobachter, der sich treiben lässt.

Der Fall des verschwundenen Sohnes dient mehr als Aufhänger denn als Zentrum der Handlung. Stattdessen entwickelt sich der Roman über weite Strecken zu einer Art literarischer Reportage über das Leben auf den Philippinen: Touristenparadies, soziale Ungleichheit, Korruption, Drogenhandel und Gewalt. Diese Einblicke sind atmosphärisch dicht und durchaus interessant, nehmen dem Buch aber den Charakter eines klassischen Detektivromans. Wer eine Spurensuche mit klugen Wendungen erwartet, wird hier eher enttäuscht.

Besonders auffällig ist das Tempo zum Ende hin. Viele zuvor angerissene Themen und Konflikte werden zwar aufgelöst, jedoch sehr schnell, hart und beinahe abrupt. Die Brutalität kommt plötzlich, ohne dass sich der Text ausreichend Zeit nimmt, die moralischen oder gesellschaftlichen Dimensionen wirklich zu vertiefen. Meiner Meinung nach hätten dem Buch gut 100 Seiten mehr Raum verschafft, um Figuren, Hintergründe und Konsequenzen sorgfältiger auszuarbeiten.

Insgesamt ist es ein atmosphärisch starkes, aber inhaltlich unausgewogenes Buch.