Bedrückend

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mike nelson Avatar

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Bedrückend. Und gleichzeitig ungeheuer gut! Hannah Lühmann ist mit "Heimat" eine erschreckend präzise Zeitdiagnose gelungen. Im Mittelpunkt steht die zweifache Mutter Jana, erneut schwanger, die mit ihrem Mann Noah aufs Land gezogen ist. Dort trifft sie bald auf Karolin, eine siebenfache Mutter, die überzeugt davon ist, dass eine Mutter sich allein um Kinder und Haus zu kümmern habe, dass dem Mann eine Führungsrolle in der Partnerschaft zukomme und der Wald ein besserer Lehrmeister für die Kinder ist, als es eine Kita jemals sein könnte. Jana ist fasziniert von der zwar rückwärtsgewandten, aber dafür sehr klaren Haltung von Karolin, deren Kinder auch ziemlich 'gelungen' zu sein scheinen. Als dann für Jana noch Schwierigkeiten mit ihrem Mann hinzukommen - er interessiert sich offensichtlich mehr für die anstehende Wahl, bei der die AfD die Mehrheit zu erlangen droht, als für seine Kinder und seine schwangere Frau - beginnt Jana endgültig, ihre alten Wertvorstellungen in Zweifel zu ziehen und der Faszination der Trad-Wifes zu erliegen. Hannah Lühmann bewertet nicht, lässt den erhobenen Zeigefinger gesenkt und zwingt ihre Leserschaft, sich selbst ein Bild zu machen. Mir lief es auf jeden Fall mehr und mehr eiskalt den Rücken runter... Bedrückend!