Den eigenen Weg finden

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Die Siebzehnjährige Mio zieht sich am liebsten in ihr Zimmer zurück, eingewickelt in einen von der verstorbenen Großmutter handgewebten roten Schal, der ihr zur Geburt geschenkt wurde und der ihr Schutz gibt. In der Schule wird Mio gemobbt, deswegen bleibt sie seit einiger Zeit zuhause.Die Eltern haben wenig Zeit und in ihren Augen auch wenig Verständnis, und als ihre Mutter ihr den schützenden Schal wegnimmt, damit sie lerne, sich „abzunabeln, flieht sie zu ihrem Großvater, den sie kaum kennt.

Es ist der Ort Morioka, mit dem Bild des Berges Iwate im Blick, der das Cover ziert, der ihr Heimatgefühle vermittelt und wo sie in ihrem eigenen Tempo ihren Weg finden wird. Der Großvater läßt ihr Zeit und bestärkt sie, denn Mio hat ständig das Gefühl, alles falsch zu machen.
Es ist die Familie ihres Vaters Hiroshi, die berühmt ist für die handwerklich und künstlerisch erfolgreiche Wollmamufaktur, die nun von ihrer Tante Yuko geführt wird. Auf Bitte des Großvaters, der sein Wissen mit seiner Enkelin teilen möchte, kümmert Yuko sich mit darum, Mio den Zugang dazu zu dieser Handwerkskunst zu vermitteln. So soll sie auch sich selber einen Schal entwerfen und weben.
Sie lernt vielfältige Fertigkeiten, die Wolle zu waschen, Fäden zu spinnen und zu weben, aber auch Farben zu gestalten und zu mischen, aber auch ihre Ausdruckskraft zu erkennen. Als ihr Vater sie abholen will nach Hause, entdeckt er ihre Freude und auch ihre langsame Öffnung und ist sogar stolz auf die Tochter. Er erinnert sich wieder mehr an die eigenen Kindheit und Jugend, an das, was er von seinen Eltern mitgegeben bekommen hat, auch wenn er nicht direkt in ihre Fußstapfen getreten ist, und doch auch für sich etwas verwirklicht hat. Der Roman spiegelt vor allem die Sicht von Mio und Hiroshi wider.
Der Großvater sammelt außerdem schöne Dinge und öffnet auch ihre Sinne für Ästhetik .
Die Autorin Yuki Ibuki schreibt sehr einfühlsam über die Selbst-Erfahrung der jungen Mio, vermittelt dabei einen interessanten Einblick in die Handwerkskunst des Webens, in die Ästhetik und auch in die japanische Kultur. Es ist ein sanftes und ruhiges Buch, die Spannung liegt in der Entwicklung von Mio. Mir hat die Lektüre sehr viel Freude gemacht und wer sich darauf einlassen mag, der wird belohnt.