Großartige japanische Literatur!

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worte.wald Avatar

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„Doch welches Gesicht sollte sie aufsetzen, wie sollte sie sprechen, um nicht von allen gehasst zu werden?“ (S. 123)
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Mio ist siebzehn Jahre alt und wird in der Schule gemobbt. Irgendwann ist es so schlimm, dass sie ihr Zimmer nicht mehr verlassen will. Trost findet sie, wenn sie sich in den handgemachten Schal von ihren Großeltern wickelt, den diese zu ihrer Geburt angefertigt haben. Als ein Streit mit ihren Eltern eskaliert, zieht es Mio nach Morioka, dem Ort, an dem ihr Großvater sein Handwerk ausübt. Kann er Mio helfen, ihren Weg zu finden?
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Mich hat der Klappentext direkt angesprochen, da ich japanische Literatur liebe und ich war auch von der Leseprobe direkt verzaubert. Die zarte Mio schließt man sehr schnell ins Herz, sie ist innerlich zerrissen und ihre Eltern sind so mit sich selbst beschäftigt, dass sie ihr keine Orientierung geben können.
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Was ich außerdem sehr spannend fand, war das dargestellte Handwerk. Ich mochte den Großvater und seine Weberei sehr, auch Yuko und Taishi waren tolle Nebencharaktere, die dem Buch viel Tiefe verschafft haben. Es ist kein actionreicher Roman, doch die wechselnden Perspektiven von Mio und ihrem Vater Hiroshi haben mir sehr gut gefallen und für mich den Lesesog stets aufrecht gehalten.
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Neben Mios Entwicklung ist ihre dysfunktionale Familie ein großer Fokuspunkt. Ich fand die Konflikte sehr gut herausgearbeitet, aber ich hätte mir zum Ende hin noch eine bestimmte Szene gewünscht. Die Handlung von Mios Mutter fand ich an mehreren Stellen sehr kritisch. Natürlich ist vieles aber auch dem kulturellen Hintergrund geschuldet.
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Von mir gibt es definitiv eine große Leseempfehlung für diese tolle Erzählung aus Japan! Ein kleines Highlight für mich!
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4,25/5 ⭐️