Oft braucht es ein Unglück...

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coffee2go Avatar

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Die Fortsetzung des historischen Familienromans von Kristiane, einer sehr starken Frau in einer Männerdomäne, ist ebenso spannend wie der erste Teil. Ich würde allen Leser*innen empfehlen, den ersten Teil „Der Gesang der See“ vorab zu lesen, dann kann man auch die Familienzusammenhänge und die Vorgeschichte besser verstehen und sich in die neuen Situationen leichter hineinversetzen. Spannend finde ich, wie sich Kristiane entwickelt hat, indem sie ihren Platz in der Schifferei gefestigt hat und nun möchte sie, dass ihr Sohn Anders die Familientradition fortsetzt und für sich selbst hat sie auch schon wieder neue Pläne geschmiedet. Traurig finde ich, dass sie selbst nicht wahrhaben will, dass das Leben am Meer für Anders gar nicht passt und ihm keine Freude bereitet, er lebt für die Musik. Kristiane hat sich selbst von den gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen befreit, aber scheint noch nicht bereit dazu, dies auch für ihre Kinder zu akzeptieren. Was darf man von den Kindern erwarten und wie weit muss man ihnen selbst die Entscheidungen für ihr eigenes Leben überlassen? Die Geschichte ist sehr emotional und berührend geschildert und oft braucht es ein Unglück, damit man zum Umdenken angeregt wird, auf die harte Tour. Gleichzeitig gerät auch Kristianes Ehe mit Lars erneut auf den Prüfstand und diesmal ist es unerwartet und zum erdenklich schlechtesten Zeitpunkt. Gleichzeitig gibt es auch wieder ein dramatisches Ereignis im Dorf, in das Kristiane als Fürsprecherin und als indirekt beteiligte Person involviert ist. Es geht nicht nur um ein einzelnes Ereignis, sondern dies eröffnet eine Reihe weiterer Themen, wie der Umgang mit Schuld, familiäre Konflikte, Schicksale – wer hat weggeschaut und wo kann man sich Hilfe holen oder erwarten? Man muss beim Lesen auch immer im Hinterkopf behalten, dass die Zeiten damals in vielerlei Hinsicht anders oder schwieriger waren und Entscheidungen heutzutage vielleicht komplett anders ausfallen könnten.