Trude Teige wird zu Recht gefeiert

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Schon mit ihrem Roman „Der Gesang der See“ entführte die renommierte norwegische Autorin Trude Teige ihre Leser in die Welt von Kristiane, der Tochter des Lotsen von Kvalsvika im Westen Norwegens. Nun folgt mit "Hinaus in den Wind" die ersehnte Fortsetzung. Wieder geht es um Kristiane, die hier mit ihren Kindern Lisje-Anders und Konstanze ihr Leben auf dem Lotsenhof verbringt. Mit ihrem Mann Lars ist es schwierig, er verbringt die meiste Zeit als Verwalter auf einer vorgelagerten Insel. Nun kommt ihr Sohn in das Alter, in die Fußstapfen als Lotse zu treten, doch Anders' Herz schlägt für die Musik. Gefangen zwischen Pflichtgefühl und Wunschtraum nimmt das Drama seinen Lauf. Auch die kleine Konstanze, von der Art her genauso kämpferisch und kantig wie ihre Mutter, muss ihren Weg finden. Als Kristiane sich an ihren Lieblingsplatz am großen Felsen am Strand von Mulevika zurückzieht, um nachzudenken, fällt ihr im wahrsten Sinne des Wortes ein Bündel vor die Füße, dessen Inhalt ihr Leben und das der Dorfbewohner in Aufruhr versetzt...

Zum Buch:
Inspiriert von ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt Trude Teige durch Kristiane vom harten und entbehrungsreichen Leben der Fischer und Lotsen im 19. Jahrhundert. Da Trude Teige selbst als Tochter eines Fischers an der Westküste Norwegens aufgewachsen ist, kann sie die Atmosphäre für ihre Leser buchstäblich zum Leben erwecksen, so dass man das Kreischen der Möwen zu hören glaubt, das Salz auf der Haut spürt, die düsteren Wolken sich am Himmel zusammenbrauen sieht und den nie verebbenden Wellen zuhört. Man sieht sie auf ihrem Lieblingsfelsen in der Bucht der Mulevika und fühlt sich nah an der rauen Natur und nah an den Menschen, die das harte Leben auch oft hart sich selbst und anderen gegenüber macht. Kristiane ist eine außergewöhnliche Frau, stark, stur und unbeirrbar geht sie ihren Weg in dieser männerdominierten Welt. Geliebt wird sie dafür nicht von den Dorfbewohnern, auch wenn diese oft genug Nutzen von Kristiane's Verhandlungsgeschick ziehen. Die Geschichte entwickelt sich eher ruhig, dennoch entwickelt sie eine Sogwirkung, deren man sich nicht entziehen kann. Die Erzählperspektive wechselt zwischen Kristiane und ihren Kindern Anders und Konstanze.

Persönliche Meinung:
Auch die Fortsetzung umfasst nicht einmal 300 Seiten, dennoch kommt es mir wie beim Vorgänger vor, als hätte ich ein Familienepos mit 600 Seiten gelesen. Nicht, weil es sich so in die Länge gezogen hätte, sondern weil diese Seiten so intensiv und erfüllt waren, dass ich tief eingetaucht bin und nur ungern zum Ende gekommen bin. Ich konnte die Handlungsweisen der Figuren nicht immer verstehen, aber trotzdem mitfühlen, wie es sich anfühlen musste, seinen Weg zwischen Tradition, Pflichterfüllung und eigenen Wünschen zu finden. Gerade Kristiane sollte wissen, wie es ist, seine eigenen Träume aufzugeben, um seiner Pflicht nachzukommen, den Lotsenhof zu erhalten. Dennoch verlangt sie von ihrem Sohn, den gleichen harten Weg wie sie zu gehen.
Viele Nebenfiguren haben ebenfalls starken Eindruck hinterlassen, dabei waren es auch hier wieder die stillen Eindrücke, die noch lange nachklangen.
Trude Teige hat einen so klaren Schreibstil, der manchmal so karg wie die norwegische Küstenlandschaft wirkt, aber dennoch - oder vielleicht gerade deswegen - unter die Haut geht.

Fazit:
Trude Teige ist eine wunderbare Erzählerin, die es schafft, ihre Leser auf eine Reise in eine andere Zeit und zu besonderen Menschen zu entführen. Der Schreibstil wirkt minimalistisch, doch man kann sich ihrem Sog nur schwer entziehen. Ich könnte mir eine Verfilmung dieser Geschichte sehr gut vorstellen!