Zart, klug und mit Witz
In der Leseprobe lernen wir zunächst Juniper kennen, die als ehemaliger Kinderstar unbedingt als ernsthafte Schauspielerin wahrgenommen werden will. Gerade hat sie ihre Mutter verloren und eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Beim Dreh eines Hollywood-Films über Andy Warhol trifft sie auf Kai, einen Neuling vor der Kamera, der ihr sofort auffällt. Die beiden stehen erst am Anfang, doch zwischen ihnen knistert es bereits. Das Thema ist aktuell und wird mit viel Gespür angegangen: Es geht um den Preis des Ruhms, um Selbstinszenierung und um die Frage, wie viel Echtheit in einer Welt aus Filmsets und Instagram-Feeds noch möglich ist. Die Parallelen zu Andy Warhol, der sein Leben lang an der Konstruktion seines Ichs arbeitete, sind gut gewählt. Die Leseprobe macht Lust auf mehr. Der Ton ist leicht und pointiert, die Dialoge zwischen Juniper und Kai haben Witz und Charme (Kais „Ich liebe dich ein bisschen" ist herrlich). Zugleich schimmern zwischen den Zeilen Einsamkeit und Trauer durch. Etwas viele Verweise auf Warhol, Filmgeschichte und Kunst gibt es allerdings, und ob sich die Liebesgeschichte ebenso überzeugend entwickelt, lässt sich nach diesem Anfang noch nicht sagen. Ein gelungener Auftakt, ich bin gespannt auf den Rest.