Zwischen Kunsttheorie, Hollywood-Eitelkeit und Andy Warhols Geist
Hinter diesem typisch reduzierten, fast unscheinbaren Hanser-Cover verbirgt sich kein klassischer Schmöker, sondern eine verdammt clevere, doppelbödige Reflexion über Ruhm, Selbstinszenierung und die ewige Jagd nach Bestätigung. John Green schlägt hier einen Ton an, der deutlich erwachsener und abgeklärter wirkt als in seinen früheren Jugendbüchern. Wir begleiten die zweiundzwanzigjährige Juniper, die als ehemaliger Kinderstar krampfhaft versucht, in der gnadenlosen Filmbranche als ernsthafte Schauspielerin Fuß zu fassen. Dass ausgerechnet ein Film über Andy Warhol den Dreh- und Angelpunkt bildet – also jenen Mann, der die moderne Oberflächlichkeit, den Starkult und das Prinzip „Jeder ist ein Rohstoff“ praktisch erfunden hat –, ist ein genialer Kunstgriff, der dem Text von Anfang an Biss verleiht.
Was mir an dieser Leseprobe richtig gut gefällt, ist Junipers zynisch-beobachtender Blick auf den ganzen Zirkus. Sie macht sich keine Illusionen: Sie weiß, dass sie mit ihrem leichten Überbiss und den weit auseinanderstehenden Augen auf Gossip-Blogs als „ungewöhnlich“ abgestempelt wird, während der bildschöne Kollege Kai sofort als geborener Filmstar durchgeht. Diese schonungslose Ehrlichkeit zieht sich durch alle Gedanken. Die Diskussionen in der Penthouse-Suite über Hitchcocks Vertigo, die Angst vor dem Kontrollverlust, wenn man den eigenen Körper als Werkzeug und Leinwand hergeben muss, und dieses bittere Warhol-Zitat „Ich bin ein Erfolg und trotzdem allein. So what.“ – das hat echte Substanz und driftet nicht in billigen Hollywood-Klamauk ab. Auch wie die absurde Realität des Social-Media-Zeitalters eingeflochten wird – wenn sie für 680-Dollar-Ohrringe von Dior posiert und in den Kommentaren stumpfe Anmache neben Häme landet –, trifft den Nerv unserer Zeit erstaunlich treffsicher.
Wo bei mir allerdings die Skepsis anklopft, ist die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren. Kai platzt beim Texten auf dem Sofa nach nicht einmal zwei Tagen Vorbereitung mit einem völlig unvermittelten „Ich liebe dich“ heraus. Das soll wohl entwaffnend, unkonventionell und herrlich frei wirken, hat bei mir aber erst einmal für ein leichtes Stirnrunzeln gesorgt. Dieses typische Green-Muster, den männlichen Gegenpart als hochsensiblen, tiefgründigen Freigeist zu zeichnen, der sofort mit philosophischen Lebensweisheiten um sich wirft, balanciert stellenweise haarscharf an der Grenze zur Prätentiösität. Wenn sich die Geschichte im weiteren Verlauf zu sehr in dieser verfrühten Seelenverwandtschaft verliert, könnte das dem ansonsten so herrlich bissigen Branchenporträt den Wind aus den Segeln nehmen.
Trotzdem macht dieser Einstieg definitiv neugierig auf das gesamte Buch. Ich erwarte von dem Roman ein atmosphärisches, stellenweise melancholisches Drama über den hohen Preis der öffentlichen Sichtbarkeit und die Frage, wie viel vom eigenen Ich übrig bleibt, wenn man sich rund um die Uhr selbst vermarktet. Für alle, die hinter die Hochglanzfassade von Filmsets und Social-Media-Profilen blicken wollen und Freude an bissigen Dialogen mit einer Prise Kunstgeschichte haben, dürfte das eine erfreulich gehaltvolle Lektüre werden.
Was mir an dieser Leseprobe richtig gut gefällt, ist Junipers zynisch-beobachtender Blick auf den ganzen Zirkus. Sie macht sich keine Illusionen: Sie weiß, dass sie mit ihrem leichten Überbiss und den weit auseinanderstehenden Augen auf Gossip-Blogs als „ungewöhnlich“ abgestempelt wird, während der bildschöne Kollege Kai sofort als geborener Filmstar durchgeht. Diese schonungslose Ehrlichkeit zieht sich durch alle Gedanken. Die Diskussionen in der Penthouse-Suite über Hitchcocks Vertigo, die Angst vor dem Kontrollverlust, wenn man den eigenen Körper als Werkzeug und Leinwand hergeben muss, und dieses bittere Warhol-Zitat „Ich bin ein Erfolg und trotzdem allein. So what.“ – das hat echte Substanz und driftet nicht in billigen Hollywood-Klamauk ab. Auch wie die absurde Realität des Social-Media-Zeitalters eingeflochten wird – wenn sie für 680-Dollar-Ohrringe von Dior posiert und in den Kommentaren stumpfe Anmache neben Häme landet –, trifft den Nerv unserer Zeit erstaunlich treffsicher.
Wo bei mir allerdings die Skepsis anklopft, ist die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren. Kai platzt beim Texten auf dem Sofa nach nicht einmal zwei Tagen Vorbereitung mit einem völlig unvermittelten „Ich liebe dich“ heraus. Das soll wohl entwaffnend, unkonventionell und herrlich frei wirken, hat bei mir aber erst einmal für ein leichtes Stirnrunzeln gesorgt. Dieses typische Green-Muster, den männlichen Gegenpart als hochsensiblen, tiefgründigen Freigeist zu zeichnen, der sofort mit philosophischen Lebensweisheiten um sich wirft, balanciert stellenweise haarscharf an der Grenze zur Prätentiösität. Wenn sich die Geschichte im weiteren Verlauf zu sehr in dieser verfrühten Seelenverwandtschaft verliert, könnte das dem ansonsten so herrlich bissigen Branchenporträt den Wind aus den Segeln nehmen.
Trotzdem macht dieser Einstieg definitiv neugierig auf das gesamte Buch. Ich erwarte von dem Roman ein atmosphärisches, stellenweise melancholisches Drama über den hohen Preis der öffentlichen Sichtbarkeit und die Frage, wie viel vom eigenen Ich übrig bleibt, wenn man sich rund um die Uhr selbst vermarktet. Für alle, die hinter die Hochglanzfassade von Filmsets und Social-Media-Profilen blicken wollen und Freude an bissigen Dialogen mit einer Prise Kunstgeschichte haben, dürfte das eine erfreulich gehaltvolle Lektüre werden.