Gänsehaut pur im isländischen Winter

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nardidyana Avatar

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Island-Krimis haben ja oft diese ganz spezielle, raue Stimmung, aber hier war ich schon nach den ersten Seiten total gefesselt. Der Schreibstil ist angenehm düster und so bildhaft, dass man beim Lesen fast das Gefühl hat, selbst im kalten Wind zu stehen.

Besonders die Hauptfigur Marsí hat es mir angetan. Sie wirkt so zerbrochen und gleichzeitig authentisch mit ihrem Selbsthass und der Last der Vergangenheit. Dass ihre Schwester Stína vor so vielen Jahren spurlos verschwunden ist und sie sich immer noch die Schuld gibt, macht die ganze Geschichte extrem emotional. Ich finde es spannend, wie die Autorin das Trauma einer ganzen Familie beschreibt – die Szene mit dem Vater und der Jacke war wirklich herzzerreißend.

Die Spannung baut sich hier eher unterschwellig auf, aber genau das mag ich. Man spürt, dass da noch viel mehr hinter der Fassade steckt und die alten Wunden in Akranes alles andere als verheilt sind. Ich möchte unbedingt wissen, was damals wirklich passiert ist und ob es nach all der Zeit endlich Antworten gibt. Wer düstere Psychothriller mit viel Tiefgang mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Die einsame Hütte auf dem Cover fängt dieses Gefühl von Isolation übrigens perfekt ein!