Beklemmend, düster, rätselhaft

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
blackcat Avatar

Von

Ländliches Island, November 1967: Die 14-jährige Marsibil hat einen geheimen Brieffreund, der sie persönlich kennenlernen will. Sie stimmt zu, wenn auch mit einem unguten Gefühl, denn sie hat sich als ihre ältere Schwester Stina ausgegeben, weil sie gerne wäre wie sie – lebensfroh, beliebt, hübsch. Sie schafft es jedoch nicht zu dem Treffen und Stina, die von einem Filmabend bei ihrer Freundin nicht nach Hause gekommen ist, wird vermisst. Kurz darauf wird ihre blutbefleckte Jacke gefunden – an dem Ort, an dem Marsibil ihren Brieffreund treffen wollte. Aber sie schämt sich zu sehr, um von ihrem Verdacht, dass ihr Brieffreund etwas damit zu haben könnte, zu erzählen, und Stina wird nie gefunden.

Ländliches Island, November 1977: Als Marsibil ihre Eltern zum 10. Jahrestag von Stinas Verschwinden besucht, beschließt sie herauszufinden, was damals geschehen ist, denn es geht wieder los – ihr Brieffreund meldet sich nach zehn Jahren. Seine zuckersüße wie bedrohliche Botschaft verwandelt ihre ungebrochenen Schuldgefühle in Angst. Sie muss herausfinden, von wem diese Briefe stammen, um nicht das nächste Opfer zu werden und, um endlich zu verstehen, was in jener Nacht passiert ist. Die Gewissensbisse, die sie seit Stinas Verschwinden plagen, haben sie in eine Abwärtsspirale geführt, und Antworten zu finden, könnte alles verändern, zum Besseren wenden.

Marsibil ist jedoch labil: Sie neigt zu selbstzerstörerischem Verhalten, sie ist andauernd angespannt, sie leidet unter Schlafstörungen sowie Albträumen – ihre Träume drängen sich in die Realität, dauern nach dem Aufwachen weiter an, sodass sie Mühe hat, ihre Wahrnehmungen richtig einzuordnen. Auf ihre Erinnerungen ist auch kein Verlass – sie weiß nicht was während ihrer Kindheit/Jugend wirklich passiert ist und was sie sich irrtümlicherweise zusammengereimt hat. Ihre verschlossenen, ausweichenden Eltern, seltsame Fotos im Familienalbum sowie verschwundene Unterlagen verstärken ihre Verwirrung, sodass sie sich an Leute wendet, die damals mit Stina befreundet waren.

Die greifbar beklemmende Atmosphäre in Marsibils trostlosem Heimatdorf, ihre passiv aggressiven Eltern, die mysteriösen Briefe, die verstörenden Begebenheiten, die sich seit Marsibils Ankunft in dem kleinen Ort ereignen, und die mit Unsicherheit, Angst sowie Schuldgefühlen verbundenen Nachforschungen haben mich von Anfang an gepackt und immer weiterblättern lassen!

Die wechselnden Perspektiven eröffnen spannende Einblicke in die Jugendaktivitäten sowie das Familienleben der Schwestern. Die Gefühle und Gedanken der beiden kommen hautnah an und ich fand sowohl das Island‑Setting als auch die Zeitreise faszinierend.

"Home Before Dark” ist durchweg spannend gestaltet, mal subtil, mal konkret. Die authentischen, teils undurchsichtigen Figuren, die (auf vielfältige Weise erzeugte) unheilvolle Stimmung und die erschütternden Wendungen haben mich restlos überzeugt!