Ein starker, wendungsreicher Island-Thriller mit kleineren Kritikpunkten

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
bookilicious_de Avatar

Von

„Mit Häusern war es wie mit Menschen, das Äußere erzählte nur die halbe Geschichte (…)“

Hattet ihr schonmal eine Brieffreundschaft?

Marsibil hatte mit 14 Jahren einen heimlichen Brieffreund, der sich mit ihr treffen wollte. Am besagten Abend schafft Marsi es jedoch nicht zum Treffen, was vielleicht auch besser ist, da sich Marsi als ihre ältere Schwester Kristin ausgegeben hat. Es ist genau der Abend, an dem Kristin spurlos verschwindet…

Jetzt zehn Jahre später, erhält Marsi auf einmal wieder seltsame Briefe, die sie sofort an ihren Brieffreund von damals denken lassen.
Und auch das plötzliche Verschwinden ihrer Schwester lässt ihr einfach keine Ruhe.

Mein Fazit:
Das Setting dieses Psychothrillers im absoluten Nordic Noir Stil ist herrlich düster und verdammt spannend. Wir springen zurück in den November 1967, als Kristin spurlos verschwand. Marsi macht sich seitdem schwere Vorwürfe und bezichtigt ihren damaligen Brieffreund der Tat. Das Problem: Der halbe Ort scheint ein düsteres Geheimnis um das Verschwinden zu machen - irgendwann vertraut Marsi nicht einmal mehr ihren eigenen Eltern.
Der Psychothriller von Eva Björg Ægisdóttir war für mich durch und durch packend. Immer, wenn ich dachte, ich hätte endlich eine Ahnung, was damals passiert ist und wer dahintersteckt, lag ich komplett falsch! Der Schreibstil ist atmosphärisch düster und perfekt an das isländische Setting angepasst. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen.

Ein kleiner Kritikpunkt:
Etwas störend fand ich den extremen Alkoholkonsum im Buch. Mir kam es teilweise so vor, als wäre das gesamte Dorf von Alkoholikern, was für meinen Geschmack etwas zu sehr verharmlost wurde.
Auch gab es zwischendurch viele Nebenkriegsschauplätze, die etwas vom Hauptplot abgelenkt haben.
Am Ende wurde zwar alles restlos aufgeklärt, aber zwischenzeitlich war ich mir nicht ganz sicher, wo die Autorin mit der Story hinwollte.

Insgesamt aber ein wirklich starker, wendungsreicher Island- Thriller!

Bewertung:
4 von 5 geheimnisvollen Briefen