Für Fans von ruhigen Psychothrillern

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Bereits die äußere Gestaltung überzeugt durch ein stimmiges Cover und einen passenden Farbschnitt, die perfekt auf die düstere Atmosphäre des Romans einstimmen. Die Handlung ist im Island der 60er- und 70er-Jahre angesiedelt - ein historischer Rahmen, der den rauen und beklemmenden Vibe der Geschichte hervorragend unterstreicht.
Im Fokus steht Marsibil, die zehn Jahre nach dem Verschwinden ihrer Schwester Kristín durch anonyme Briefe mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Besonders fesselnd ist die Erzählweise auf zwei Zeitebenen: Man schwankt ständig zwischen Mitgefühl und Misstrauen, da selbst die Protagonistin als unzuverlässige Erzählerin agiert. Der Roman verzichtet auf plumpe Action und setzt stattdessen auf eine unterschwellige, psychologische Spannung und komplexe Beziehungsgeflechte.
Obwohl der Schreibstil mitunter etwas distanziert wirkt und einige Passagen Längen aufweisen, bleibt die Neugier durch ständige Wendungen bis zum Schluss erhalten. Die Auflösung ist ein gelungener Coup, der die gesamte Geschichte in ein neues Licht rückt, auch wenn das Ende emotional nicht jeden Leser vollständig befriedigen mag. Ein atmosphärisch dichter Thriller, der lange nachhallt.