Langatmige Mogelpackung

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elke17 Avatar

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Die „Mörderisches Island“ Reihe habe ich mit Ausnahme von Band 4 „Verlassen“ sehr gerne gelesen, und gerade deshalb hätte ich gewarnt sein sollen, denn genau das, was ich bei diesem kritisiert habe, treibt die Autorin in „Home Before Dark“ auf die Spitze.

Aber first things first. 1977, zehn Jahre sind vergangen, seit Kristin (Stina) spurlos verschwunden ist. Und noch immer leidet die Familie, insbesondere ihre Schwester Marsibil (Marsi), unter dem Verlust, insbesondere, da offenbar niemand, weder die Eltern noch die Polizei, großes Interesse daran hatte, diesem Vermisstenfall nachzugehen. Was ist damals geschehen? Und hat der geheimnisvolle Brieffreund Marsis, mit dem sie damals im Namen der Schwester, etwas mit dem Verschwinden dieser zu tun? Hat er sie während seines angekündigten Besuchs getötet? Diese Fragen stellt sich Marsi und lässt die damaligen Ereignisse während des Besuchs bei ihren Eltern Revue passieren. Marsibil und Kristin, 1977 und 1967, zwei Zeitebenen, zwei ich abwechselnde Perspektiven, die Licht ins Dunkel bringen sollen.

Gelabelt ist „Home Before Dark“ als Psychothriller, wird als „atemberaubender Nordic Noir“ bezeichnet, was natürlich hohe Erwartungen weckt. Aber leider werden diese nicht erfüllt. Anstelle eines Thrillers bekommt man das Porträt einer dysfunktionalen Familie, in der jede/r bemüht ist, die Realität auszublenden bzw. zu verleugnen. Über 300 Seiten nichtssagende Nabelschauen und Wiederholungen, durch die man sich durchquälen muss, in denen die Handlung auf der Stelle tritt, bevor das letzte Viertel an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen gewidmet ist, die leider durch die Vielzahl unglaubwürdiger Twists ad absurdum geführt werden.

Fazit: Eine langatmige Mogelpackung, über weite Strecken ermüdend, die die Erwartungen nicht erfüllt und mit „Nordic Noir“ noch nicht einmal in Ansätzen etwas zu tun hat. Das Einzige, was gelungen ist, sind die Naturbeschreibungen, aber das ist definitiv zu wenig, als das man „Home Before Dark“ als gelungenen Thriller bezeichnen bzw. empfehlen könnte.