Mehr Familiendrama als Thriller
1967. Die vierzehnjährige Marsibil will sich zum ersten Mal mit ihrem Brieffreund treffen, natürlich heimlich. Doch sie verschläft das Treffen, Und zeitgleich verschwindet ihre Schwester Stina spurlos. Zehn Jahre später plagen Marsibil immer noch Gewissensbisse. Hat ihr Brieffreund etwas mit Stinas Verschwinden zu tun? All die Jahre hat sie niemandem etwas davon erzählt. Besonders prekär: Marsi hatte sich in den Briefen als Stina ausgegeben. Jetzt, 1979, beginnt Marsi zu recherchieren. Sie will den Fall endlich aufgeklärt wissen.
In der Erwartung, den angekündigten atemberaubenden Thriller zu lesen, griff ich zu diesem Buch - meinem ersten der Autorin. Einen Thriller habe ich aber leider nicht bekommen. Es handelt sich eher um das Drama einer kaputten Familie. Hier wird zu allen Gelegenheiten gesoffen und Probleme werden unter den Tisch gekehrt, anstatt sie zu besprechen. Auf der Suche nach Stina rennt Marsi bei ihren Eltern gegen eine Wand. Sie wollen die alten Wunden nicht wieder aufreißen. Doch Marsi gibt keine Ruhe, bis sie schließlich selbst in Gefahr gerät.
Etwas Spannung kam für mich nur im letzten Viertel des Buches auf, wo endlich mal ein paar Fragen geklärt werden. Die drei Viertel davor ziehen sich scheinbar endlos hin. Immer wieder wird zwischen Stinas und Marsibils Perspektive, zwischen 1967 und 1977 gewechselt. Dabei werden manche Ereignisse doppelt und dreifach beleuchtet, ohne dass wesentliche Fakten hinzukämen. Das fand ich sehr ermüdend.
Auch den Schreibstil mochte ich nicht besonders. Die Wortwahl wirkte etwas gestelzt und hölzern auf mich. Gut fand ich, wie diverse Verdächtige aufgebaut wurden und dass man prima miträtseln konnte, was mit Stina passiert ist. Die Auflösung konnte mich schließlich überraschen.