Niemandem wirklich trauen können
Home Before Dark hat mich vor allem wegen der Stimmung total gepackt. Dieses kalte, raue Island Gefühl zieht sich durch das ganze Buch und man merkt ziemlich schnell, dass hier irgendwas nicht stimmt. Aber genau das macht die Geschichte so spannend, weil man nie wirklich weiß, wem man überhaupt noch trauen kann.
Besonders gut fand ich die zwei Zeitebenen. Einerseits begleitet man Marsi Jahre nach dem Verschwinden ihrer Schwester und gleichzeitig erfährt man nach und nach, was damals eigentlich passiert ist. Dadurch hatte ich ständig das Gefühl, dass irgendwer etwas verschweigt oder wichtige Dinge fehlen. Ich habe beim Lesen dauernd meine Meinung geändert.
Das Buch lebt für mich auch gar nicht von riesiger Action oder extremen Schockmomenten. Es ist eher diese unterschwellige Spannung, die die ganze Zeit da ist. Vieles passiert zwischen den Figuren oder einfach durch Gedanken und Erinnerungen. Genau das hat bei mir aber richtig gut funktioniert.
Marsi mochte ich als Hauptfigur total gern, gerade weil sie nicht perfekt wirkt. Teilweise war sie selbst unsicher und man wusste manchmal nicht, ob man ihren Erinnerungen überhaupt trauen kann. Dadurch wirkte alles noch unruhiger und irgendwie bedrückend.
Der Schreibstil liest sich sehr flüssig und man kommt schnell durch die Seiten. Ein paar Stellen waren für mich etwas langgezogen, aber gleichzeitig wollte ich trotzdem immer wissen, wie alles zusammenhängt. Vor allem zum Ende hin wird es nochmal richtig spannend.
Die Auflösung fand ich überraschend, auch wenn mir emotional am Ende noch ein kleines bisschen gefehlt hat. Trotzdem bleibt dieses unangenehme Gefühl von der Geschichte noch länger im Kopf.
Für mich ein eher ruhiger Psychothriller, der nicht durch Gewalt spannend wird, sondern durch Atmosphäre und dieses ständige Misstrauen.