Spannend, fesselnd, düster

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„Jedes Jahr am siebzehnten November setzte ich mich in mein Auto und fuhr nach Nátthagi, wo ich aufgewachsen war, um diesen Jahrestag zu feiern, den niemand von uns feiern wollte.“

Eva Björg Ægisdóttir lässt Marsí (Marsíbil) und ihre ältere Schwester Stína (Kristín) im Wechsel zu Wort kommen. Dass damals, im November 1967, Stínas blutbefleckte Jacke gefunden wurde, von ihr aber bis heute jede Spur fehlt, ist bekannt. Auch wissen wir, dass sich die damals 14jährige Marsí mit Bergur, ihrem Brieffreund, treffen wollte. Niemand wusste von ihm, auch nicht, dass sie sich als die zwei Jahre ältere Stína ausgegeben hat. Marsí hat dies alles bis heute verschwiegen. Und jetzt, nach zehn Jahren Funkstille, erhält sie einen Brief von ihm. Warum nach so langer Zeit? Hat er etwas mit Stinas Verschwinden zu tun? Außerdem plagt sie das Gewissen um ihr Geheimnis schon lange – wird sie es dieses Jahr schaffen, ihren Eltern die Wahrheit zu sagen?

Die Story kommt mir zeitweise wie entrückt vor. Irgendwie seltsam, an der Grenze zum Unwirklichen. Ab Herbst 1966 sind es Kristíns Gedanken, denen ich genau so wie denen von Marsí zehn Jahre später folge. Dabei lerne ich sie beide und ihr Umfeld – ihre Familie, ihre Freunde - besser kennen, zunächst jedoch eher vage, denn vieles bleibt ungesagt, zudem sind sie mir alle nicht ganz geheuer, direkt unheimlich muten sie mir so dann und wann an, keiner ist so recht greifbar. Auch die Örtlichkeiten sind nicht dazu da, anheimelnd zu wirken.

Es ist ein düsterer Psychothriller, der nach anfänglichem, gefühltem Dahinplätschern dann so richtig fesselt, der lange gehütete Geheimnisse aufdeckt, bei denen nichts so ist, wie es den Anschein hat. Die Spannung steigert sich zusehends, bis hin zum bitteren Ende. Marsís Ängste, getrieben von Schuldgefühlen, aber auch von dem Willen, dem Vergangenen nachzuspüren, es aufzudecken, zeigt sich in so manch schockierenden Momenten.

Eva Björg Ægisdóttir hat es mit ihrem Psychothriller HOME BEFORE DARK geschafft, mich mit der spannenden, lange undurchsichtigen Story und den traumatischen, nicht gerade liebenswerten und doch vielschichtigen Figuren, bestens zu unterhalten. Sehr lesenswert, sehr empfehlenswert.