Stimmiger Cold Case ohne Sogwirkung

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monalisa13 Avatar

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Die Island-Krimis von Eva Björg Ægisdóttir hatten mich völlig begeistert und darum war ich auf ihren neuen Psychothriller absolut gespannt.

Schon das Cover und der Buchschnitt haben ein ansprechendes Alleinstellungsmerkmal.

Das Verschwinden von Marsibels Schwester Kristin von vor 10 Jahren blieb ein Cold Case, bis Marsibel einen Brief bekommt, der die Chance birgt, den Verbleib oder sogar den Tod von Kristin aufklären zu können.

Die Handlung springt dabei geschickt zwischen zwei Zeitebenen. In der einen im Jahr 1966, als Kristin noch gegenwärtig war und in einer zweiten Zeitebene 1977, in der Marsibel mit einer unglaublichen Vehemenz versucht zu ergründen, was mit ihrer Schwester passiert ist.

Handwerklich ist das Buch stark konstruiert. Die zwei Stränge fließen perfekt zusammen, sodass Kristíns letzte Monate und Marsibels Suche stimmig ineinandergreifen.

Die Charaktere sind individuell ausgearbeitet, dennoch blieb ich als Leser eher in der Rolle des distanzierten Betrachters. Im Nachgang wirkt dies fast wie eine bewusste Entscheidung der Autorin, um den Blick auf das große Ganze der Handlung zu schärfen.

Der Schreibstil ist gewohnt leichtgängig und die isländische Atmosphäre, dunkel, kühl und mysteriös, ist absolut greifbar. Dennoch blieb die Spannung über weite Teile der Story leider auf einem eher niedrigen Niveau. Ein atmosphärisch dichter Island-Krimi, der eher durch seine Konstruktion und Stimmung besticht als durch rasanten Nervenkitzel.