Zum „Nebenbeihören“ ok

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Eva Björg Ægisdóttir „Mörderisches Island“-Krimireihe wusste zu überzeugen. Da klang „Home before Dark“, ein Psychothriller, vielversprechend. Berechtigt oder zu früh gefreut?

Worum es geht, sei krim-/thrillergemäß nur knapp umrissen: Marsi versucht herauszufinden, was hinter dem Verschwinden ihrer Schwester Stina vor 10 Jahren steckt. Damals hatte Marsi einen Brieffreund, dem sie vorgaukelte, die ältere (attraktivere und selbstbewusstere) Stina zu sein. Als es zu einem Treffen kommen sollte, das Marsi verpasste, und Stina verschwand, bekam Marsi es mit der Angst zu tun und schämte sich für ihr dummes Verhalten. Das ist auch heute noch so – zudem verwechselt Marsi Erinnerung, Realität und Fiktion.

Damit sind eigentlich alle Voraussetzungen für einen spannenden Thriller vorhanden: eine Art Cold Case (der zwar die Familie „plagt“, die Polizei jedoch nicht zu Höchstleistungen anhielt), damit verbunden zwei Zeitebenen, zwei Perspektiven (Marsi und Stina), Setting im ländlichen Island. Es gibt Indizien, die darauf hindeuten, dass Marsis Brieffreund Stina etwas angetan haben könnte, es gibt Indizien, dass auch das Familienleben nicht ganz „astrein“ war, auch bei den Schilderungen der beiden Schwestern darf man zweifeln, was sich zugetragen haben könnte, zahlreiche Gründe also, ungefähr jedem zu misstrauen. Das lässt Luft für Wendungen, Überraschungen und Spannung. Bekommt man das? Jein, Wendungen und Überraschungen ja, Spannung eher weniger – zumindest nicht in den ersten ca. zwei Dritteln bis drei Vierteln, in denen die Handlung eher einem Familiendrama ähnelt. Dafür wird es im letzten Teil recht „wüst“. Das war mir zu unausgewogen, wenngleich das beim Hörbuch noch geht, denn Leonie Landas Vortragsart passte hervorragend: die Stimme wirkt jung, manchmal etwas blauäugig, aber hat einen angenehmen Klang. Dass „Home before Dark“ als Buch für mich funktioniert hätte, wage ich zu bezweifeln. Als Hörbuch zum „Nebenbeihören“ der Stimme wegen noch gelungen. Für die Story reicht es auf 2,5 Sterne, für die Hörbuchumsetzung auf 4, sodass es insgesamt 3 Sterne gibt für ein Hörbuch, bei dem jede(r) selbst entscheiden sollte, ob es lohnt.