Ein Roman wie eine Serie - fesselnd, klug und voller Spannung

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gretchensfragen Avatar

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Schon das Cover von Honey von Imani Thompson hat etwas mit mir gemacht. Der Schriftzug, der in Farbe und Textur an Honig denken lässt, hat mich sofort angesprochen und meine Neugier geweckt. Die Leseprobe selbst war dann mindestens ebenso fesselnd. Sie liest sich fast wie eine Serie, mit einzelnen Szenen, die aneinandergereiht sind, und schnellen Cuts dazwischen. Als Leser*in war ich sofort mitten in Yrsas Leben und wollte wissen, was passiert.

Yrsa ist eine äußerst faszinierende Protagonistin. Sie arbeitet als Doktorandin in Cambridge, bewegt sich zwischen Institutsalltag, Gesprächen mit Kolleg*innen im Büro, Lehrveranstaltungen mit ihren Studierenden und den unterschiedlichen Colleges. In den Gesprächen von Yrsa, bei denen man gleichzeitig ihren inneren Monolog mitverfolgt, erahnt man, wie viel unausgesprochen bleibt. Besonders gut konnte ich auch ihre Erschöpfung nachvollziehen: "Es muss schleichend, unbemerkt, passiert sein, dass ihr Leben so ermüdend geworden ist; doch in letzter Zeit hat die Monotonie eine eigene Färbung angenommen" (S. 18).
Gleichzeitig fand ich spannend, wie Wissen und gesellschaftliche Diskurse in die Handlung einfließen. In ihrer Vorlesung über Schwarze Denker*innen kommt die Geschichte des Intersektionalitätsbegriffs nach Kimberlé Crenshaw vor, und es werden, als ein Student sich durch die Auseinandersetzung mit strukturellen Ungleichheiten persönlich angegriffen fühlt, auch Konflikte sichtbar. Diese Einbettung von Wissen und gesellschaftlichen Diskursen fand ich sehr gelungen.
Die Leseprobe erzeugt außerdem eine besondere Atmosphäre: Bilder wie der sich "wie eine Badewanne" leerende Hörsaal oder die "plötzlich leere Luft", in der etwas zu schweben scheint (S. 17), sowie die Biene, die auf einmal auftaucht und von Blüte zu Blüte fliegt, vermitteln das Gefühl, dass etwas Unheilvolles bevorsteht, noch bevor es tatsächlich passiert.

Yrsa trägt, soweit ich das herauslesen konnte, eine unterschwellig brodelnde Wut auf Männer in sich, geprägt durch eigene Erfahrungen und die Erlebnisse ihrer Freundinnen.
Sie wird dann, eher zufällig, Zeugin davon, wie ein Professor, den sie nicht leiden kann, stirbt, und leistet ihm keine Hilfe. An diesem Punkt endet die Leseprobe. Nun bin ich extrem gefesselt und möchte unbedingt, unbedingt weiterlesen und erfahren, wohin dieser wilde Ritt einer Geschichte noch führt.