Süß und bissig

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Das Cover von Honey ist sofort ein Hingucker: glänzend, sinnlich und poppig, fast wie flüssiger Honig auf rosafarbenem Grund. Es wirkt zunächst verspielt und verführerisch, hat aber zugleich etwas Künstliches und leicht Unbehagliches – genau diese Mischung passt wunderbar zur Leseprobe.
Der Einstieg hat mich direkt gepackt, weil Imani Thompson mit einer sehr scharfen, modernen und kompromisslosen Stimme erzählt. Yrsa ist keine glatt sympathische Figur, sondern klug, wütend, sarkastisch und oft herrlich schonungslos. Gerade das macht sie so interessant. Ihre Gedanken springen zwischen Dating-Frust, akademischem Alltag, Rassismus, Machtstrukturen, Freundschaft und Selbstinszenierung hin und her – schnell, pointiert und voller bitterem Witz.
Besonders stark finde ich, wie der Universitätskosmos gezeichnet wird: nach außen gebildet und liberal, darunter aber voller Eitelkeiten, Abhängigkeiten und Machtspiele. Auch die Szene mit Nina zeigt, dass hinter den ironischen Dialogen sehr reale Verletzungen und Ungerechtigkeiten liegen.
Der Spannungsaufbau ist ungewöhnlich, aber effektiv. Anfangs wirkt alles wie eine satirische, sehr gegenwärtige Momentaufnahme aus Yrsas Leben – doch je weiter die Leseprobe voranschreitet, desto dunkler und unberechenbarer wird die Atmosphäre.
Ich würde das Buch sehr gerne weiterlesen, weil es klug, provokant und sprachlich elektrisierend wirkt. Honey verspricht keine bequeme Geschichte, sondern einen Roman, der süß beginnt, schneidend weitermacht und vermutlich noch lange nachhallt.