Besser als jedes Modul zu Ethik und Kritischer Theorie ❤️

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desaströseshörnchen Avatar

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Wow.

Während ich Ysra auf ihrem Weg durch die letzten Schritte ihrer Dissertation, und ganz nebenbei auch bei ihren Morden in Camebridge begleite, stellt sich bei mir irgendwann dieses unangenehme, fast körperliche Gefühl ein: dass hier nicht einfach eine wissenschaftliche Arbeit mit Hilfe von sehr aktiver und ethisch fragwürdiger aber nachvollziehbarer Feldforschung bearbeitet wird, sondern eine ganze Biografie, ein ganzes Selbstverständnis ins Rutschen gerät. Der Roman beschäftigt mich sehr, weil die Autorin nie bloß erzählt, sondern konsequent existentielle Daseinsfragen stellt, also radikal, sehr radikal Schmerz, Wut, Gewalt, Überleben und Moral verhandelt.

Es geht um Rassismus und Sexismus, um Macht und Herrschaft, um Intersektionalität, um werten und bewertet werden, um „Afropessimismus“ und vor allem um die Frage, was passiert, wenn kritische und postkoloniale Theorie und Gewaltforschung selbst Teil einer Krise werden.

Man merkt der Autorin an, dass sie sich tief in diese Denkbewegungen hineingeschrieben hat, aber auch nicht davor zurückschreckt, sie zu radikal ehrlich zu befragen.

Ysra hat mich so sehr beeindruckt. Ysra trägt diverse Identitäten in sich die ständig neu miteinander füreinander und gegeneinander arbeiten. Ich habe sie nicht als rotzige und aufrichtige Antiheldin gelesen, als Überlebende, die sich weigert, die Rolle „des guten Opfers“ einzunehmen. Der Roman fordert meines Erachtens ziemlich radikal die Frage ein, ob wir (Trauma-)Überlebende nur dann aushalten können, wenn sie moralisch akzeptabel, leidend, einverständig und am Ende irgendwie versöhnlich sind.

Auch die queeren Charaktete fand ich spannend, hatte aber stellenweise den Eindruck, dass manche von ihnen eher performativ bis oberflächlich als wirklich durchlebt beschrieben wurden.

Imani Thompson schreibt wütend, klug, verstörend und irritiert uns. Hat mir sehr gut gefallen.

Ich würde den Roman vor allem Menschen empfehlen, die „So in etwa ist es geschehen“ von Sharon Dodua Otoo mochten oder „Traumaland“ und „Betrachtungen einer Barbarin“ von Asal Dardan (die den Roman ins Deutsche übersetzt hat). Und wenn ihr Danger Dans „Keine Angst“ gern hört… lesen!

Queer BIPOC Darc Academia meets critical theory seminar. Wer dieses Buch liest, spart sich vllt ein ganzes Modul o. Fortbildungsseminar zu „Kritische Theorie kritisieren und radikalisieren oder radikal resignieren?“

Wir sind nicht die Guten. Aber wir können dieses Buch lesen, hören, markieren, dazu recherchieren und uns und unser Handeln hinterfragen.