Deutsches Cover irreführend

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black_snapper Avatar

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Wie soll ich ein Hörbuch bewerten, bei dem ich durchgehend hin und hergerissen war zwischen fasziniert und angewidert? Zwischen Weiterhören und Abbruch.



Yrsa schreibt an der Uni Cambridge ihre Doktorarbeit mit dem Thema Afropessimismus. Als Women of colour weiß sie, wovon sie redet.



Am Anfang hat mich die Fäkalsprache von Yrsa schockiert, weil ich überhaupt nicht damit gerechnet habe. Ich habe eine nette, skurrile, lustige, harmlose, nicht ganz ernst gemeinte Geschichte mit ein paar zufälligen Leichen erwartet. Cover und Klappentext sind meiner Meinung nach ziemlich irreführend. Das Original-Cover mit der aufgespießten Biene passt viel besser.



Durch einen Zufall bekommt Yrsa die Gelegenheit zu ihrem ersten Mord und fühlt sich dabei großartig. Am liebsten würde sie dieses Gefühl immer und immer wieder erleben, doch leider ebbt es allmählich ab. Und plötzlich bin ich mitten in der Biographie einer Serienmörderin. Ich werde nicht nur Zeugin von Yrsas abstoßenden Gedanken, sondern auch der Planung und Durchführung der Morde. Yrsa ist sehr intelligent und kann hervorragend planen.



Schon früh im Buch hatte ich das Gefühl, es mit einer Sadistin zu tun zu haben. Und Sadisten können sehr grausam sein. Die Geschichte wird zwar aus Yrsas Sicht, aber in der 3. Person erzählt, was mir einerseits eine gewisse Vertrautheit, aber auch eine wohltuende Distanz gegeben hat.



Kennt Ihr das? Es gibt immer wieder mal Charaktere in Büchern, um die es nicht schade ist. Aber hier hatte ich durchgehend das Gefühl, daß die Opfer zwar die ein oder andere Strafe oder zumindest Verachtung verdienen, aber nicht den Tod. Es war daher sehr schwer für mich, irgendeine Form von Sympathie für Yrsa zu empfinden. Auch ihre sexuelle Besessenheit war mir sehr unangenehm, zumal die expliziten Szenen keinerlei erotischen Charakter haben, sondern eher die Abgründe ihrer Psyche widerspiegeln. Ich muss ihr aber zugute halten, daß sie Meisterin der perfekten Morde ist, die sicherlich auch in der Realität gut funktionieren dürften. Planung scheint hier alles zu sein.



Die Geschichte ist kurzweilig und bietet hervorragende Einblicke in Yrsas Psyche.



Ich bin froh, daß ich bis zum Ende gehört habe, weil sich der ein oder andere Aha-Effekt noch einstellt, aber das Ende hat mich völlig unbefriedigt zurückgelassen. Ich kann daher nur bedingt eine Leseempfehlung aussprechen.



Die Sprecherin hat mir sehr gut gefallen. Sie hat eine angenehme Tonlage, intoniert perfekt und spricht auch die verschiedenen Charaktere nicht zwanghaft unterschiedlich.