Ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann!

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yagmur Avatar

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Es gibt Bücher, die einen von der ersten Seite an in ihren Bann ziehen. Honey war für mich genau so eines. Der Roman entwickelt eine unglaubliche Sogwirkung, die mich bis zum Ende nicht mehr losgelassen hat.

Im Mittelpunkt steht Yrsa, eine Protagonistin, die alles andere als sympathisch sein will. Sie denkt Dinge, die viele lieber für sich behalten würden, trifft Entscheidungen, die moralisch kaum eindeutig sind, und bewegt sich ständig in den Grauzonen zwischen Recht und Unrecht. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht sie zu einer der spannendsten Figuren, die ich seit Langem gelesen habe. Sie ist klug, bissig und kompromisslos und ich wollte unbedingt wissen, welchen Weg sie als Nächstes einschlägt.

Ein prägender Moment der Geschichte entsteht durch eine Handlung, die mit Honig verbunden ist und zum Tod eines Mannes führt. Dass Yrsa dabei keine klassische Reue empfindet, sondern vielmehr eine unerwartete Genugtuung, weil das Opfer alles andere als ein guter Mensch war, macht den Roman so faszinierend. Er zwingt einen dazu, die eigenen moralischen Maßstäbe immer wieder zu hinterfragen und sich zu fragen, wie man selbst in einer solchen Situation empfinden würde.

Besonders gefallen hat mir die Erzählweise. Die Geschichte entfaltet sich nicht chronologisch, sondern setzt die einzelnen Puzzleteile nach und nach zusammen. Dadurch erhalten Ereignisse und Entscheidungen im Nachhinein eine völlig neue Bedeutung. Immer wieder gibt es Momente, in denen plötzlich alles einrastet, genau diese Struktur hat für mich den Reiz des Romans ausgemacht.

Auch die Passagen rund um Yrsas Doktorarbeit haben mich positiv überrascht. Sie fügen sich nahtlos in die Handlung ein und verleihen ihrer Figur zusätzliche Tiefe, anstatt den Erzählfluss zu unterbrechen.

Der Schreibstil von Imani Thompson ist eindringlich und zugleich messerscharf. In der deutschen Übersetzung von Asal Dardan kommt diese Intensität hervorragend zur Geltung. Gemeinsam schaffen sie einen Roman, der klug, provokant und atmosphärisch dicht erzählt ist.

Honey ist kein Wohlfühlroman und Yrsa keine Heldin, die man bedingungslos mögen muss. Aber genau darin liegt seine Stärke: Das Buch fordert heraus, überrascht immer wieder und bleibt noch lange nach der letzten Seite im Kopf.