Ein Thriller, der über seine Handlung hinausgeht

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Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich sofort neugierig. Ein Thriller, der Gesellschaftskritik, Feminismus, Rassismus und schwarzen Humor miteinander verbindet, klang nach einer ungewöhnlichen Mischung und genau das ist Honey auch geworden.

Im Mittelpunkt steht Yrsa, die an ihrer Dissertation arbeitet und sich beruflich mit gesellschaftlichen Machtstrukturen beschäftigt. Diese Themen begegnen ihr aber nicht nur in der Theorie, sondern prägen auch ihren Alltag. Gerade die Perspektive einer schwarzen Frau, die sich ständig mit Vorurteilen, Ungleichbehandlung und Erwartungen auseinandersetzen muss, fand ich unglaublich wichtig. Das Buch lädt immer wieder dazu ein, über diese Strukturen nachzudenken, ohne dass es sich wie eine Vorlesung oder ein erhobener Zeigefinger anfühlt.

Besonders interessant fand ich, wie Yrsa ihr Wissen über Menschen und gesellschaftliche Mechanismen nutzt. Sie analysiert ihr Gegenüber, erkennt Muster und setzt dieses Wissen gezielt für ihre eigenen Ziele ein. Dadurch entstehen viele Situationen, die gleichzeitig faszinierend und ziemlich verstörend sind. Das Buch verlangt dabei gar nicht, dass man Yrsas Entscheidungen gutheißt. Vielmehr stellt es die Frage, wie ein Mensch zu einer solchen Sicht auf die Welt gelangt und was Wut, Ausgrenzung und persönliche Erfahrungen mit einem machen können.

Obwohl die Geschichte ernste Themen behandelt, gibt es immer wieder Momente, die so überzogen oder trocken erzählt sind, dass ich schmunzeln musste. Gerade diese Mischung aus schwarzem Humor, Spannung und gesellschaftlichen Fragen hat für mich sehr gut funktioniert. Gleichzeitig entwickelt sich die Handlung rasant und schlägt immer wieder Richtungen ein, mit denen ich absolut nicht gerechnet hätte.

Besonders mochte ich außerdem, dass Freundschaften und zwischenmenschliche Beziehungen ebenfalls ihren Platz bekommen. Sie sorgen dafür, dass das Buch zwischen all den düsteren Ereignissen immer wieder etwas Bodenhaftung behält.

Honey ist sicher kein Thriller für alle. Wer eine klassische Ermittlungs- oder Serienmördergeschichte erwartet, dürfte enttäuscht werden. Für mich lebt das Buch vielmehr von seiner Erzählperspektive und den Fragen, die es aufwirft. Es hat mich gut unterhalten, aber vor allem auch noch nach dem Lesen beschäftigt. Genau deshalb bekommt es von mir 4 von 5 Sternen.