Honigsüss im Äusseren, schonungslos im Inneren

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
laternenschein Avatar

Von

«Honey» von Imani Thompson hat ein bemerkenswertes Cover, das sofort ins Auge sticht. So honigsüss es auch wirken mag, der Inhalt entfaltet seine volle Wucht. Yrsa, Doktorandin in Cambridge, nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine aussergewöhnliche Reise durch die Themen Moral und Ethik. Als schwarze Frau betrachtet sie die Menschheitsgeschichte und insbesondere den Konflikt zwischen Schwarz und Weiss aus einer anderen Perspektive als die meisten Menschen europäischer Herkunft.

Die Geschichte ist rasant erzählt, und verschiedene Stilmittel wechseln sich gekonnt ab: Auf klassische Kapitel folgen einzelne, beinahe zusammenhangslos wirkende Sätze, die den Text strukturieren und vorantreiben. Mir hat dieses Stilmittel sehr gut gefallen, auch wenn es zu Beginn etwas gewöhnungbedürftig war.

Die Handlung ist weitgehend schlüssig, und das Ende wird so aufgelöst, dass man selbst in ein moralisches Dilemma gerät. Man bangt und hofft die ganze Zeit mit Yrsa, kann ihre Denkweise nachvollziehen und erkennt dennoch, dass manche ihrer Handlungen fragwürdig oder sogar falsch sind.

Für mich war «Honey» eine äusserst spannende Lektüre, deren inhaltliche Tiefe ich so nicht erwartet hatte. Der Roman regt zum Nachdenken an und hallt noch lange nach. Von mir erhält dieses Buch eine klare Leseempfehlung.