Moral vs. Moral

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isa_mw Avatar

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Tu es!
Aber eigentlich ist es falsch.
Egal, nun mach!
Oder ist es doch zu viel?

Beim Lesen von Imani Thompsons 'honey' erlebt man eine Achterbahn der Moralvorstellungen. Die Protagonistin Ysra lebt ein auf den ersten Blick typisches Universitätsleben: Freundschaften, Partys, Beziehungen und Männer. Während ihrer soziologischen Recherchen scheint sie dabei ein ganz eigenes Moralverständnis zum Umgang mit Diskriminierungen aller Art zu entwickeln. Während sie sich in ihrer Arbeit auch mit Rache und Gewalt beschäftigt, entwickelt sie eine Methodik, um sich aus der systemischen Unterdrückung freizukämpfen. Schnell stellt man sich die Frage: Darf ich das gut finden? Was darf Female Rage?

Meine Antwort ist eine Gegenfrage: Warum werden männliche Autoren für Thriller gefeiert, in denen Gewalt an Frauen teils noch konkreter dargestellt wird?
Das Fazit: Wir dürfen und sollten 'honey' gut finden.

Aufgrund der Kälte, die von Ysra ausgeht und meinem Missverständnis gegenüber einiger ihrer Umgangsweisen mit anderen Menschen, wollte ich zuerst einen Stern abziehen. Am Ende habe ich mich dennoch für die fünf Sterne entschieden, da diese Eigenschaften und Taten genau das sind, was die Geschichte braucht und realistisch macht: Wir dürfen Wut empfinden. Wir dürfen Grenzen setzen. Wir dürfen Fehler machen.

Besonders gut gelingt Imani Thompson der Umgang mit Intersektionalität. Sehr natürlich und dabei so offensichtlich wird im Roman deutlich, wie erdrückend Sexismus und Rassismus für sich, aber vor allem im Zusammenspiel sind. Einige männliche Charaktere wirken im ersten Moment in ihrer Überheblichkeit überspitzt dargestellt. Doch schnell fällt auf: das ist Alltag. Das ist eine Welt mit Männern.