Nichts für schwache Nerven

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leserinlu Avatar

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„Honey“ ist definitiv kein Roman für schwache Nerven. Zwischen expliziter Gewalt, schwarzem Humor und akademischen Exkursen entsteht eine Mischung, die mich immer wieder überrascht und auf keiner Seite gelangweilt hat.

Im Mittelpunkt steht Yrsa, Doktorandin in Cambridge, die sich in einer Welt behaupten muss, die von Machtgefällen, Rassismus und Sexismus geprägt ist. Als ein Professor die Forschungsergebnisse ihrer Freundin für sich beansprucht und schließlich durch einen scheinbar harmlosen Streich Yrsas stirbt, gerät eine Spirale aus Gewalt und Rache in Gang.

Was mir besonders gefallen hat, ist die ungewöhnliche Erzählweise. Einerseits ist der Roman stellenweise sehr derb und explizit, andererseits gibt es immer wieder überraschend akademische Passagen durch Einblicke in Yrsas Doktorarbeit, die dem Roman eine weitere Ebene geben. Diese Verbindung aus Campusroman, Thriller und Gesellschaftskritik habe ich so noch nicht gelesen. Yrsas Radikalität und ihre moralischen Grauzonen werfen immer wieder die Frage auf, wie Menschen mit struktureller Ungerechtigkeit umgehen und wann der Wunsch nach Gerechtigkeit in etwas anderes umschlägt.

„Honey“ ist sicher kein Buch für jede:n. Wer eine klassische Thrillerhandlung oder einen geradlinigen Campusroman erwartet, könnte überrascht werden. Wer sich aber auf diese ungewöhnliche Mischung einlässt, bekommt einen provokanten und stellenweise verstörenden Roman, der definitiv nicht langweilig ist.