Rachethriller, feministische Gesellschaftskritik
Von Honey habe ich mir eine wilde Mischung aus Campusroman und Thriller erwartet, und genau das habe ich auch bekommen, nur anders gewichtet, als ich dachte. Imani Thompson erzählt die Geschichte von Yrsa, die aus einer spontanen Handlung heraus zur Mörderin wird, nachdem ein Cambridge-Professor die Forschungsergebnisse ihrer Freundin gestohlen hat. Was folgt, ist keine klassische Krimihandlung, sondern vor allem eine Studie über Wut, Langeweile, Begierde und die Frage, was es bedeutet, Schwarz zu sein in einer sehr weißen akademischen Welt.
Die ersten Kapitel haben mich sofort gepackt. Yrsas Stimme ist schonungslos direkt, oft komisch in ihrer Absurdität, und ich mochte, wie unverblümt das Buch mit weiblicher Wut umgeht, ohne sie zu beschönigen oder zu entschuldigen. Genau diese Konsequenz wird aber im weiteren Verlauf auch zur Schwäche. Die Thriller-Ebene, die im Klappentext so präsent wirkt, gerät immer wieder in den Hintergrund, weil das Buch lieber in Yrsas Gedankenwelt verweilt. Manche Entwicklungen bleiben dadurch angedeutet statt ausgearbeitet, und einige Wendungen wirkten auf mich nicht ganz nachvollziehbar.
Am schwersten tat ich mich mit dem Ausmaß von Yrsas Verhalten. Ihre Wut eskaliert an mehreren Stellen in ein Maß, das für mich unverhältnismäßig wirkte, fast obsessiv, mit deutlich erkennbaren psychopathischen Zügen. Das ist nicht per se ein Problem, ich mag unbequeme, moralisch schwierige Hauptfiguren, aber das Buch hat mir zu wenig Zwischenschritte gegeben, um diese Eskalation nachvollziehen zu können. Dazu kam für mich insgesamt einfach zu viel, zu viel Wut, zu viel Sex, zu viele Gedankenschleifen, sodass das Buch streckenweise unheimlich langatmig wirkte, bevor es wieder Fahrt aufnahm.
Trotzdem würde ich Honey nicht als gescheitertes Buch bezeichnen. Es ist ein mutiges Debüt, das ein Thema anpackt, das in der deutschsprachigen Buchcommunity selten so konsequent verhandelt wird, und es hat mich streckenweise wirklich unterhalten. Wer absurde, überspitzte Rachegeschichten mag, wer sich für Bücher über Schwarze weibliche Wut und Selbstermächtigung interessiert, und wer damit leben kann, dass die Thriller-Elemente eher Beiwerk als Motor der Geschichte sind, wird hier etwas finden. Wer einen stringenten, spannungsgetriebenen Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden. Von mir gibt es drei von fünf Sternen, für ein Buch mit viel Mut und noch ausbaufähigem Handwerk.
Die ersten Kapitel haben mich sofort gepackt. Yrsas Stimme ist schonungslos direkt, oft komisch in ihrer Absurdität, und ich mochte, wie unverblümt das Buch mit weiblicher Wut umgeht, ohne sie zu beschönigen oder zu entschuldigen. Genau diese Konsequenz wird aber im weiteren Verlauf auch zur Schwäche. Die Thriller-Ebene, die im Klappentext so präsent wirkt, gerät immer wieder in den Hintergrund, weil das Buch lieber in Yrsas Gedankenwelt verweilt. Manche Entwicklungen bleiben dadurch angedeutet statt ausgearbeitet, und einige Wendungen wirkten auf mich nicht ganz nachvollziehbar.
Am schwersten tat ich mich mit dem Ausmaß von Yrsas Verhalten. Ihre Wut eskaliert an mehreren Stellen in ein Maß, das für mich unverhältnismäßig wirkte, fast obsessiv, mit deutlich erkennbaren psychopathischen Zügen. Das ist nicht per se ein Problem, ich mag unbequeme, moralisch schwierige Hauptfiguren, aber das Buch hat mir zu wenig Zwischenschritte gegeben, um diese Eskalation nachvollziehen zu können. Dazu kam für mich insgesamt einfach zu viel, zu viel Wut, zu viel Sex, zu viele Gedankenschleifen, sodass das Buch streckenweise unheimlich langatmig wirkte, bevor es wieder Fahrt aufnahm.
Trotzdem würde ich Honey nicht als gescheitertes Buch bezeichnen. Es ist ein mutiges Debüt, das ein Thema anpackt, das in der deutschsprachigen Buchcommunity selten so konsequent verhandelt wird, und es hat mich streckenweise wirklich unterhalten. Wer absurde, überspitzte Rachegeschichten mag, wer sich für Bücher über Schwarze weibliche Wut und Selbstermächtigung interessiert, und wer damit leben kann, dass die Thriller-Elemente eher Beiwerk als Motor der Geschichte sind, wird hier etwas finden. Wer einen stringenten, spannungsgetriebenen Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden. Von mir gibt es drei von fünf Sternen, für ein Buch mit viel Mut und noch ausbaufähigem Handwerk.