Unerwartet

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jackyinthebook Avatar

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Honey ist definitiv eines dieser Bücher, bei denen ich nach dem Lesen erst einmal überlegen musste, was ich eigentlich davon halten soll. Es ist gleichzeitig Thriller, Gesellschaftssatire und eine Geschichte über Female Rage, Ungerechtigkeit und den Wunsch nach Selbstermächtigung.
Yrsa ist dabei eine Protagonistin, die alles andere als eine klassische Heldin ist. Nachdem der Tod eines Professors zunächst eher ein Unfall ist, entdeckt sie eine Seite an sich, die sie vorher offensichtlich selbst nicht kannte. Aus einem einzelnen Mord wird immer mehr und plötzlich nimmt sie es sich selbst zur Aufgabe, Männer zu bestrafen, die ihrer Meinung nach eine Strafe verdient haben.
Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass Yrsa nicht einfach sympathisch geschrieben ist. Sie ist intelligent, witzig, zynisch und teilweise ziemlich skrupellos. Gleichzeitig konnte ich ihre Wut und ihre Gedanken erstaunlich oft nachvollziehen, auch wenn ich ihre Entscheidungen natürlich nicht gutheißen kann. Gerade diese Mischung hat sie für mich zu einer sehr interessanten und unberechenbaren Hauptfigur gemacht.
Ich mochte außerdem den schwarzen Humor des Buches. Manche Situationen sind so absurd, dass ich tatsächlich lachen musste, obwohl es eigentlich um Mord und ziemlich ernste Themen geht. Gleichzeitig beschäftigt sich die Geschichte mit Rassismus, Sexismus, Machtverhältnissen und der Frage, wann aus berechtigter Wut etwas völlig anderes wird. Dadurch ist Honey definitiv mehr als nur ein Thriller über eine Frau, die Männer umbringt.
Trotzdem fand ich die Geschichte unglaublich interessant und vor allem anders. Honey ist kein klassischer Serienkiller-Thriller, bei dem es hauptsächlich um Spannung und die Aufklärung von Morden geht. Vielmehr geht es darum, Yrsa dabei zuzusehen, wie sie immer weiter die Kontrolle über ihre eigene Moral verliert und sich dabei selbst davon überzeugt, dass ihre Taten gerechtfertigt sind.