Unterhaltsame Geschichte, die in meinen Augen noch etwas mehr emotionalen Tiefgang vertragen hätte

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
hapedah Avatar

Von

Obwohl Yrsa mit ihrer Dissertation und dem Unterrichten von Studierenden gut beschäftigt ist, langweilt sie sich auf emotionaler Ebene. Erotische Begegnungen mit Männern bleiben oberflächlich und immer wieder sieht sie durch deren Verhalten ihre Theorien zur Abwertung ihrer Persönlichkeit, insbesondere als Women of Color, bestätigt. Bis sie eines Tages - eher zufällig (eine Biene, ein wenig unterlassene Hilfeleistung) - den Professor tötet, der eine ihrer Freundinnen übel ausgenutzt hat. Diese Tat gibt Yrsa ein High, wie sie es lange nicht erlebt hat, als das wieder abflaut, schaut sie sich nach neuen Opfern um. Und gibt es ringsumher nicht genügend Männer, die durch toxisches Verhalten eine tödliche Strafe verdient haben?

"Honey" von Imani Thompson ist ein Roman, der mich recht zwiegespalten zurück gelassen hat. Die Protagonistin war mir trotz allem sympathisch, sie ist überdurchschnittlich klug und beschäftigt sich in ihrem Soziologie-Studium schon lange mit der gesellschaftlichen Betrachtung der Women of Color. Dass sich dabei jede Menge Wut anstaut, fand ich nachvollziehbar, ihre umfassenden Gedanken und die ausführlichen Zitate aus ihrer Quellenliteratur haben mich sehr nachdenklich gemacht. Emotional schien sie mir allerdings eher oberflächlich zu sein, sowohl innerhalb ihrer Familie, als auch dem Großteil der Menschen an der Universität gegenüber. Das spiegelte sich besonders in ihren erotischen Erlebnissen wieder, bereits vorab schaut Yrsa auf die Männer hinab, die sie in ihr Bett lässt - und die das erwartete Klischee dann auch jedes Mal bestätigen.

Obwohl wir Yrsa auf ihrem Weg zur Serienmörderin begleiten, hielt sich die Spannung meiner Meinung nach in Grenzen. Den Schreibstil fand ich durchaus eingängig und fesselnd, die vom Verlag versprochene Bissigkeit hat mir allerdings stellenweise gefehlt. Auch der Schluss hat mich ein wenig enttäuscht, die Geschichte endete abrupt, in meinen Augen mittendrin, es fühlte sich an, als ob da noch ein halbes Kapitel fehlen würde. So habe ich mich zwar bis zur letzten Seite ganz gut unterhalten gefühlt, für meinen Geschmack hätte die Geschichte aber gern noch etwas mehr in die Tiefe gehen dürfen.

Fazit: So ganz hat der Roman nicht gehalten, was der Klappentext versprach, meiner Meinung nach hat die Autorin nicht das gesamte Potential dieser Geschichte ausgeschöpft.