„Der Fluchtkoffer und die Taekwondo-Polizistin“

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Horst Evers ist zurück – und wie! Nach seinem ersten Krimi liefert er mit ‚Hope Joanna‘ einen Roman, der schon im Klappentext vor Energie, Berliner Schnauze und schwarzem Humor nur so strotzt.
Die Protagonistin Hope Joanna Marlow ist ein echter Volltreffer: Geboren am 9. November 1989 (zwei Jahre nach dem Mauerfall), benannt nach dem Eddy-Grant-Song, mit einer West-Mutter und einem Ost-Vater – das Beste aus beiden Welten. Als ehemalige Taekwondo-Kämpferin mit Olympiaträumen landet sie bei der Berliner Polizei. Ein Handyvideo, in dem sie vier Räuber in einem Späti allein überwältigt, macht sie über Nacht zur Heldin wider Willen. Doch statt Ruhe folgt sofort der nächste Wahnsinn: Eine mysteriöse Mordserie, eine rechtsradikale Sekte, die fieberhaft nach dem legendären, seit 1945 verschollenen „Fluchtkoffer“ Adolf Hitlers sucht – angeblich mit Rezept für ein sagenumwobenes Elixier.
Was mich am meisten reizt: Evers mischt hier knallharte Krimi-Spannung mit seinem typischen, herrlich trockenen und pointierten Humor. Die junge Kommissarin gerät in eine „tödliche Parallelwelt“, deren Irrsinn nur noch von der echten Realität überboten wird. Das klingt nach einem Buch, das gleichzeitig spannend, urkomisch und ziemlich aktuell ist – Berliner Alltag trifft auf Verschwörungstheorien, Ost-West-Geschichte auf rechte Spinner und Taekwondo-Action auf feinsinnige Beobachtungen.
Ich erwarte einen Roman, der einen zum Lachen bringt, während man gleichzeitig Gänsehaut bekommt. Perfekt für alle, die intelligente Unterhaltung mit Berlin-Flair, starken Figuren und einem Schuss Gesellschaftskritik mögen. Horst Evers kann einfach beides: kabarettistisch zuspitzen und trotzdem eine richtig gute Geschichte erzählen.