Kann man seine Herkunft je leiser drehen – oder spielt sie immer im Hintergrund weiter?
Dieser Romanbeginn stolpert nicht einfach in die Geschichte hinein – er groovt. Noch bevor wir überhaupt wissen, worum es geht, hören wir etwas: eine Basslinie, ein Echo aus Kindheit und Popkultur. Der Text beginnt nicht mit Handlung, sondern mit einem inneren Soundtrack. Und genau das setzt den Ton für alles, was folgt: Erinnerung ist hier nichts Statisches, sondern etwas Rhythmisches, Wiederkehrendes, fast Körperliches.
Was mich sofort gepackt hat, ist diese eigenwillige Mischung aus Tempo und Tiefe. Die Dialoge sind schnell, schnoddrig, lebendig – sie haben diesen trockenen, leicht überdrehten Großstadtwitz, der sich anfühlt, als würde man mitten in ein Gespräch platzen, das schon lange läuft. Gleichzeitig liegen darunter Schichten, die sich erst nach und nach zeigen: Herkunft, Familiengeschichten, Identität. Es ist, als würde der Text lachen und dich im nächsten Moment beiläufig daran erinnern, dass hinter diesem Lachen etwas viel Größeres steht.
Joanna selbst wird dabei nicht klassisch eingeführt, sondern eher „freigelegt“. Stück für Stück. Über Anekdoten, über den Vater, über ihren Namen, über diese fast schon mythische Geburtsgeschichte im Moment des Mauerfalls. Ein Name wie ein Versprechen – oder eine Zumutung. „Hope Joanna“ klingt nicht nur nach Bedeutung, sondern nach Erwartung. Und genau dieses Spannungsfeld trägt sie mit sich herum, ohne dass der Text es je schwer macht. Im Gegenteil: Er tänzelt darum herum, mit Ironie, mit Charme, mit einer gewissen Lust an Übertreibung.
Besonders stark finde ich, wie der Stil zwischen den Ebenen wechselt, ohne Brüche zu erzeugen. Da ist diese fast schon filmische Komik – etwa in der Szene mit dem Müllwagen, die sich wie ein absurdes Kammerspiel liest. Und dann plötzlich kippt es in etwas Ernstes: die Sirenenangst. Ein kurzer Abgrund unter der Oberfläche. Kein Pathos, keine große Erklärung – einfach da. Und genau deshalb wirkt es.
Auch sprachlich hat der Text einen ganz eigenen Puls. Er arbeitet viel mit Wiederholungen, mit Rhythmus, mit leicht verschobenen Pointen. Sätze, die sich aufbauen und dann anders enden, als man erwartet. Dazu diese lakonischen Einschübe („Wer kennt das nicht?“), die fast schon eine Komplizenschaft mit den Lesenden herstellen. Man wird nicht belehrt, sondern mitgenommen – manchmal sogar ein bisschen mit einem Augenzwinkern angestoßen.
Und dann ist da noch dieses Motiv, das sich leise durch alles zieht: Öffentlichkeit versus Innerlichkeit. Während Joanna im Netz zur „Superheldin“ stilisiert wird, bleibt sie selbst erstaunlich nüchtern, fast distanziert. Diese Diskrepanz wirkt hochaktuell, ohne dass sie platt ausgespielt wird.
Mein erster Eindruck: ein Roman, der sich nicht entscheiden will zwischen Krimi, Coming-of-Age und Gesellschaftsporträt – und genau darin seine Stärke findet. Er beginnt laut, witzig, fast überdreht, und lässt gleichzeitig genug Raum für das, was noch kommen könnte: die Risse, die Fragen, die leisen Unsicherheiten.
Oder anders gesagt: Dieser Text macht etwas ziemlich Raffiniertes – er lässt dich schmunzeln, während er dir ganz unauffällig eine Geschichte über Identität, Herkunft und Selbstbehauptung unterjubelt.
Was mich sofort gepackt hat, ist diese eigenwillige Mischung aus Tempo und Tiefe. Die Dialoge sind schnell, schnoddrig, lebendig – sie haben diesen trockenen, leicht überdrehten Großstadtwitz, der sich anfühlt, als würde man mitten in ein Gespräch platzen, das schon lange läuft. Gleichzeitig liegen darunter Schichten, die sich erst nach und nach zeigen: Herkunft, Familiengeschichten, Identität. Es ist, als würde der Text lachen und dich im nächsten Moment beiläufig daran erinnern, dass hinter diesem Lachen etwas viel Größeres steht.
Joanna selbst wird dabei nicht klassisch eingeführt, sondern eher „freigelegt“. Stück für Stück. Über Anekdoten, über den Vater, über ihren Namen, über diese fast schon mythische Geburtsgeschichte im Moment des Mauerfalls. Ein Name wie ein Versprechen – oder eine Zumutung. „Hope Joanna“ klingt nicht nur nach Bedeutung, sondern nach Erwartung. Und genau dieses Spannungsfeld trägt sie mit sich herum, ohne dass der Text es je schwer macht. Im Gegenteil: Er tänzelt darum herum, mit Ironie, mit Charme, mit einer gewissen Lust an Übertreibung.
Besonders stark finde ich, wie der Stil zwischen den Ebenen wechselt, ohne Brüche zu erzeugen. Da ist diese fast schon filmische Komik – etwa in der Szene mit dem Müllwagen, die sich wie ein absurdes Kammerspiel liest. Und dann plötzlich kippt es in etwas Ernstes: die Sirenenangst. Ein kurzer Abgrund unter der Oberfläche. Kein Pathos, keine große Erklärung – einfach da. Und genau deshalb wirkt es.
Auch sprachlich hat der Text einen ganz eigenen Puls. Er arbeitet viel mit Wiederholungen, mit Rhythmus, mit leicht verschobenen Pointen. Sätze, die sich aufbauen und dann anders enden, als man erwartet. Dazu diese lakonischen Einschübe („Wer kennt das nicht?“), die fast schon eine Komplizenschaft mit den Lesenden herstellen. Man wird nicht belehrt, sondern mitgenommen – manchmal sogar ein bisschen mit einem Augenzwinkern angestoßen.
Und dann ist da noch dieses Motiv, das sich leise durch alles zieht: Öffentlichkeit versus Innerlichkeit. Während Joanna im Netz zur „Superheldin“ stilisiert wird, bleibt sie selbst erstaunlich nüchtern, fast distanziert. Diese Diskrepanz wirkt hochaktuell, ohne dass sie platt ausgespielt wird.
Mein erster Eindruck: ein Roman, der sich nicht entscheiden will zwischen Krimi, Coming-of-Age und Gesellschaftsporträt – und genau darin seine Stärke findet. Er beginnt laut, witzig, fast überdreht, und lässt gleichzeitig genug Raum für das, was noch kommen könnte: die Risse, die Fragen, die leisen Unsicherheiten.
Oder anders gesagt: Dieser Text macht etwas ziemlich Raffiniertes – er lässt dich schmunzeln, während er dir ganz unauffällig eine Geschichte über Identität, Herkunft und Selbstbehauptung unterjubelt.