Berliner Alltagschaos

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sölring Avatar

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Ein typischer Evers-Roman: absurd,
intelligent, politisch aufgeladen und dabei erstaunlich warmherzig. Die Figur Hope Joanna Marlow scheint genau die Art von Heldin zu sein, die man in einem modernen Berlin-Krimi gern begleitet: schlagfertig, widersprüchlich, unfreiwillig im Mittelpunkt und gleichzeitig völlig überfordert vom Wahnsinn ihrer Umwelt.
Besonders spannend finde ich die Mischung aus Thriller, Satire und Gesellschaftskommentar.
Er schafft es regelmäßig, reale gesellschaftliche Absurditäten so zu überspitzen, dass sie gleichzeitig komisch und unangenehm wahr wirken.
Auch die Ausgangsidee der Hauptfigur überzeugt: eine ehemalige Taekwondo-Sportlerin, die Polizistin wird, durch ein virales Video plötzlich zur Heldin avanciert und dann in eine immer groteskere Geschichte hineingezogen wird. Das klingt nach einer Figur mit Tempo, Humor und emotionalem Potenzial. Gerade der Berlin-Bezug dürfte dabei viel Atmosphäre liefern.
Was ich an Horst Evers generell mag: Seine Bücher lesen sich oft leicht und unterhaltsam, haben aber zwischen den Pointen einen überraschend präzisen Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen. Das könnte ein sehr ungewöhnlicher deutscher Kriminalroman werden.