Spannend komisch

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
leylin Avatar

Von

Horst Evers schickt in seinem neuen Eoman die junge und schlagfertige Kriminalhauptkommissarin in einen absurd-komischen Kriminalfall durch Berlin. Hope Joanna Marlow, geboren am Tag des Mauerfalls und benannt nach dem bekannten Eddy-Grant-Song, arbeitet nach ihrer Taekwondo-Karriere inzwischen bei der Berliner Polizei. Als ein Video viral geht, in dem sie mehrere Räuber vor einem Späti überwältigt, wird sie unfreiwillig zur öffentlichen Heldin. Zeitgleich gerät sie in eine skurrile Mordserie rund um rechtsradikale Verschwörungsideologien, mysteriöse NS-Relikte und ein sagenumwobenes Elixier. Hope Joanna wird unterstützt durch Andreas Nauendorf, genannt Zecke, und der Kriminalanwärterin Siri. Jede:r der Protagonistinnen trägt dazu bei immer weiter Licht in die Verschwörung zu bringen und tragen die Geschichte auf ihre Weise voran.
Horst Evers zweiter Kriminalroman überzeugt vor allem durch seinen durchgezogenen Witz. Immer wieder gibt es kleine Momente, die durch Schlagfertigkeit, Situationskomik oder auch Parallelen zu Phänomenen der Popkultur funktionieren und dem Roman seinen ganz eigenen Charme verleihen. Dabei darf man allerdings keinen klassischen Krimi erwarten, bei dem sich die Spannung kontinuierlich zuspitzt wie in einem düsteren Thriller. Vielmehr steht die absurde Dynamik der Geschichte im Vordergrund.
Ein großer Pluspunkt ist die Darstellung der rechten Gesinnung – beziehungsweise deren völlige Abwegigkeit. Hier übertrifft sich Horst Evers in der grotesken und gleichzeitig erschreckend treffenden Darstellung von Dummheit und Verschwörungsdenken der rechtegesinnten Charakteren. Das ist teilweise vollkommen drüber, aber genau darin liegt der Reiz. Großes Kino!